Wyss, Johann Rudolf (Hrsg.)
Der Schweizersche Robinson, oder der schiffbrüchige Schweizer-Prediger und seine Familie
Ein lehrreiches Buch für Kinder und Kinder-Freunde zu Stadt und Land
Herausgegeben von Joh. Rudolf Wyß
2 Bände
Zürich; Orell, Füssli & Co. 1812-1813
Sprache
- deutsch
Einheitssachtitel
Paralleltitel
- De zwitsersche Robinson Crusoë
Literaturhinweise
Bandeinteilung
Bd. 1. 1812
Bd. 2. 1813
Inhaltsverzeichnis
Titelbild.
Bd. 1 (1812).
Der eigentliche Grund nun, warum das vorliegende Werk nicht handschriftliches Familienbuch blieb, sondern öffentlich im Druck erscheint, ist die Erfahrung, daß sein Vorlesen im Familienkreis des Verfassers, und sonst, vor Kindern und Kinderfreunden, vielfältig das lebhafteste Vergnügen und reichlichen dauerhaften Nutzen gebracht hat.
"Vorrede.
Die gegenwärtige Schrift ist, wie der Titel schon sagt, zunächst für Kinder und Kinderfreunde bestimmt. Für alle Kinder jedoch ist sie nicht, sondern ausschließlich für diejenigen, welche schon mit einigem Verstande lesen, allgemeine naturhistorische und geographische Begriffe haben, und überhaupt einige Kenntnisse besitzen, wie man auf den bessern Stadt- und Land-Schulen sie der Jugend von 8 bis zu 14 Jahren mitzutheilen pflegt.
Unter Kinderfreunden versteht der Herausgeber nicht sowohl solche, die mit philosophischen Untersuchungen, Theorieen und Vorschlägen zu einer zweckmäßigen Erziehung sich wesentlich beschäftigen, als vielmehr Eltern, Lehrer und andre Erwachsene, die gern mit der Jugend sich abgeben, die Freude haben an dem Treiben und Leben derselben, die den Charakter und die Sinnesart der Kinder zu einem Gegenstand ihres kunstlosen Nachdenkens machen, die geneigt sind denselben nützliche Kenntnisse auch nur gesprächsweise beizubringen, und die endlich einen schlichten woblgemeynten Wink zur schicklichen Behandlung der Kinder, nicht mit einem vornehmen Seitenblick verachten, weil er nicht neu, oder nicht aus einem breiten System mit gelehrtem Aufwande herbeygehohlt ist.
Für Kinder sind Vorreden nicht, aber dem Kinderfreunde, der dieses Buch in die Hand nimmt, wird die Erzählung von seinem Entstehen, und eine bestimmtere Angabe von seinem nächsten Zweck entweder Einladung werden, ihm eher einigen Beyfall zu geben, oder doch Mahnung, etwas billiger im Tadeln zu seyn.
Der Herausgeber des Buchs ist von dem Verfasser verschieden, und der Antheil beyder an der gegenwärtigen Gestalt des Ganzen ist äußerst ungleich.
Vor 2o Jahren etwa fieng der Verfasser dieses Werk, als ein bloßes Familienbuch, stückweise zu entwerfen an. Seine Absicht dabey war, vier Knaben, die eine würdige Gattin ihm geschenkt hatte, unterhaltend zu belehren, und vorzüglich, zu bessern. Alle vier Knaben wurden nach den damahligen Keimen ihres Charakters treu und lebendig aufgefaßt. Man ließ jeden ungefähr sprechen und handeln, wie er im wirklichen Leben es zu thun pflegte. Mitunter nur ward das Gute oder das Böse mehr vorgestellt, wie es in der Zukunft sich entwickeln konnte, als wie es in der Gegenwart noch vorhanden erschien. Es mußten lebhaftere Farben gebraucht werden, um manches Fehlerhafte häßlicher, und manches Gute reizender und schöner zu zeigen.
Das Gemälde der Mutter ward mit Liebe hinzugestellt, weil einerseits der Familienkreis ganz sollte geschildert werden; weil andrerseits aus dem Verhältnisse zu ihr, und aus ihrem Einwirken aus die Knaben manches Wichtige herzuleiten war; weil endich in ihr gleichsam ein Muster der weiblichen Wirksamkeit neben der männlichen anzubringen und zu mehrerer Hebung und Beleuchtung von dieser mit einigen Zügen auszuführen nicht unpassend schien.
Jetzt hoffentlich kann das geschilderte Walten und Wirken der achtbaren Mutter dieses Buch hie und da sowohl Frauen als Mädchen auf irgend eine Weise nützlich machen, und es wird nicht allzu einseitig nur Knaben oder Vätern oder Männern von Brauchbarkeit seyn.
Da das Leben der Kinder meist auf den Familienkreis beschränkt ist, und in diesem sich zunächst ihr Handeln entwickelt, auf diesen zunächst die guten und die nachtheiligen Folgen äußert, die nach seiner sittlichen Beschaffenheit daraus hervorgehen müßen; so schien ein Familienbuch wohl am zweckmässigsten eine geschlossene, von aller Welt gesonderte, aber doch mit ihr bekannte und von den nützlichen Erfindungen derselben Gebrauch machende Familie darstellen zu müssen. — Wenn ferner das Interesse der Kinder recht sollte geweckt, ihre Wißbegier angeregt, ihre Geduld für moralische Lehren und für mancherley Unterricht in Athem erhalten, und endlich ihr Vergnügen nichs allzu spärlich berücksichtigt werden, so schien ein fremdartiger Schauplatz, und eine Menge von auffallenden Begebenheiten, und gleichsam eigenes Theilnehmen daran, wohl das Rathsamste zu seyn.
Von allen Kinderschriften ist übrigens vielleicht keine so allgemein beliebt und so tausendfältig gelesen worden, als der gepriesene und wahrlich zu preisende Robinson. Das Kind wird ergriffen von den, Schicksalen des Einsamen und Verlassenen, der so ganz auf sich selber steht, und den Kampf mit der Natur so ganz aus sich selber wagt. Er spiegelt uns das Menschengeschlecht in seiner ersten Entstehung und Hülflosigkeit ab; er zeigt wie die Vernunft und der eherne Fleiß Alles bezwingen; er zeigt wie die menschliche Gesellschaft in Familie und Staat, mit all den begleitenden Künsten und Erfindungen jedem Einzelnen zur Wohlfahrt so ganz unentbehrlich sind.
Das Alles mag wohl schon hinreichend den Verfasser dieses vorliegenden Schweizer-Robinsons bestimmt haben, sein Familienbuch in einer solchen Gestalt zu schreiben; und die Beschaffenheit seiner Kenntnisse nebst der Richtung seines Geistes, da beyde der Naturgeschichte, und namentlich der ausländischen zugewandt waren, gab leicht dem schon einleuchtenden Plan einer. Robinsonade vor irgend einem andern den Vorzug. Doch war der ursprüngliche Titel des Werkes noch nicht der gegenwärtige, und dieser letzte rührt von dem Herausgeber her. Es schien nämlich der Begriff eines Robinsons ein so gangbarer, und der Name schien so bestimmt den einsamen Aufenthalt auf einem fernen meerumflossenen Lande zu bezeichnen, daß er, trotz seiner fast ermüdenden Wiederkehr, doch als der kürzeste und sprechendste wohl billig gewählt worden ist.
Schweizerisch heißt übrigens dieser Robinson, einerseits um ihn von unzähligen Namens-Verwandten doch zu unterscheiden, andrerseits weil der Verfasser, als ein Schweizer', zunächst seiner vaterländischen Jugend -wünscht unterhaltend und nützlich zu seyn; endlich weil der schiffbrüchige Hausvater allerdings als ein Schweizerischer Prediger, der nach einem andern Welttheile zog, gedacht werden muß.
Was nun den Herausgeber des Werkes betrifft, so bescheidet er sich, einzig an Styl und Darstellung, und nur äußerst selten an dem eigentlichen Inhalt der Erzählung, einen wesentlichen Antheil zu haben. Seine naturhistorischcn Kenntnisse sind, leider, gering, und es war ihm unmöglich die Zeit zu finden, über alle Angaben in dem Werke weitläufig nachzuforschen und nachzuschlagen. Auch in der Technologie, aus welcher manche Belehrungen vorkommen, war er nicht im Stande gehörig sich zurecht zu finden und Verbesserungen oder Zusätze zu machen. — Was also in diese zwey Fächer gehört, das hat, er meist dem Verfasser treuherzig nachgesprochen, und weiß, daß dieser, wenigstens für die Naturgeschichte, durch das Lesen zahlreicher Reisebeschreibungen, namentlich in den Bearbeitungen eines Forster, sich seinen Stoff aus den allersichersten Quellen hohlte. Aber freylich mag seit 20 Jahren sich manches verändert, aufgeklärt, vervollständigt haben; und hier, wie sonst auch in anderer Rücksicht, möchte vorzüglich zu wünschen seyn, daß Eltern und Lehrer gelegentlich etwas beyfügten und berichtigten, was in dem Buche nicht befriedigend ist. Denn überhaupt sollten wohl Kinder nur selten und vergleichungsweise fast nie zum einsamen Lesen gelangen. Es giebt nur wenige die zu dieser Beschäftigung nicht entweder zu stumpf und schläfrig, oder zu lebhaft und flüchtig wären.
Der eigentliche Grund nun, warum das vorliegende Werk nicht handschriftliches Familienbuch blieb, sondern öffentlich im Druck erscheint, ist die Erfahrung, daß sein Vorlesen im Familienkreis des Verfassers, und sonst, vor Kindern und Kinderfreunden, vielfältig das lebhafteste Vergnügen und reichlichen dauerhaften Nutzen gebracht hat. Mit dem herzlichen Wunsche denn, daß es diese Wirkungen auch in einem weitern Kreise noch haben möge, und in der Hoffnung, daß es hier oder dort wenigstens sie gewiß auch hervorbringen werde, nahm der Herausgeber sich willig die Mühe, nach seinen Kräften es in diejenige Form zu bringen, die es als öffentliche Druckschrift im Gegensatz eines beschränkten Familienbuchs etwa erhalten mußte.
Ein Kapitel des Werks ist übrigens schon in dem ersten Jahrgange der Alprosen bekannt gemacht, und im Ganzen damals nicht ungünstig, aufgenommen worden. Es wird dem Herausgeber schon zur gänzlichen Zufriedenheit gereichen, wenn man dieses gegenwärtiges Bändchen mit eben so viel Nachsicht, und Billigung beurtheilen will. Mit Vergnügen wird er, dann auch ein zweytes nachfolgen lassen, und die Begebenheiten der schiffbrüchigen, Familie doch wenigstens bis zu einem Punkte zu bringen suchen, wo man sich schicklicher, als, leider, am Schlusse dieses Bandes sich veranstalten ließ, von dem einsamen Völklein wird trennen können.
Der Herausgeber."
Bd. 1 (1812), S. III
XIII.
Bd. 1 (1812), S. III-XIII.
Der Waldesel.
Bd. 2 (1813), S. 259.
Der Waldesel.
Bd. 2 (1813), S. 260.
Der Waldesel.
Bd. 2 (1813), S. 261.
