Allgemeine Theorie der Schönen Künste
In einzeln, nach alphabetischer Ordnung der Kunstwörter auf einander folgenden, Artikeln abgehandelt
Von Johann Georg Sulzer, Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin &c.
4 Bände
Frankfurt am Main 1798
Sprache
- deutsch
Einheitssachtitel
Literaturhinweise
Bandeinteilung
Bd. 1. A - D. 1798
Bd. 2. E - J. 1798
Bd. 3. K - Q. 1798
Bd. 4. R - Z. 1798
Nachricht.
Der, bey der ersten, vermehrten, Ausgabe des Sulzerschen Werkes, angenommene, und in dem folgenden, dazu geschriebenen Vorbericht enthaltene Plan, liegt auch bey dieser zweyten vermehrten Ausgabe zum Grunde. Die litterarischen Notitzen selbst haben, indessen, mancherley Berichtigungen und Zufätze erhalten, und beynahe kein einziger Artikel ist unverändert geblieben. Ausser den, seit jener Auflage erst erschienenen, und den, in eben derselben, übergangenen frühern, hierher gehörenden, und jetzt angeführten Schriften ist, in der gegenwärtigen nicht allein der Innhalt von den wichtigern, zur Theorie gehörigen Werken, und zum Theil ausführlich, angegeben, sondern der Zustand und die Eigenheiten der schönen Litteratur, und der verschiedenen Zweige derselben bey den mehrsten Völkern, sind umständlicher auseinander gesetzt, und verschiedene Artikel, welche ganz ohne Zusätze geblieben waren, mit Zusätzen versehen worden. Auch finden sich bey verschiedenen, die bildenden Künste betreffenden, Artikeln, z. B. bey dem Art. Aezkunst, u. d. m. Verbesserungen der, von dem H. Sulzer, beschriebenen und angegebenen Behandlung des Mechanischen darin, welche von berühmten Künstlern in diesem Fache, als von H. Geyser, u. a. m. sich herschreiben. Vorzüglich aber hat der Verfasser, bei dieser neuen Ausgabe, Rücksicht auf die in Deutschland minder bekannte, und doch merkwürdige Litteratur verschiedener Völker, wie, z. B. der Spanier, genommen, und davon zum Theil ausführlichere Nachrichten, als von der Litteratur der übrigen Völker, gegeben. Der Artikel Comödie, kann, unter andern, hiefür zum Beweise dienen. Wenn gleich nicht alle komische spanische Dichter dabey angeführt sind: so ist denn doch die Anzahl, so wie die Titel, der, von den angeführten, geschriebenen Stücke, hinzu gefügt. Freylich hat dadurch das Werk um vieles stärker werden müssen. Der erste Band allein enthalt dreyzehn Bogen mehr, als in der vorhergehenden Auflage. Allein Veränderungen und Zusätze dieser Art sind, bey einem Werke solchen Innhaltes unvermeidlich; und der Verfasser schmeichelt sich, den Liebhabern der Litteratur dadurch keinen Mißdienst erwiesen zu haben. Auf Vollständigkeit im ganzen Umfange des Wortes, machen diese Zusätze, indessen, noch immer nicht Anspruch. Wer kann sie hier fordern, oder erwarten? Nur derjenige, welcher nicht weiß, was alles hieher gehört. Und da, wo aus dieser Unvollständigkeit ein Mangel zu entstehen scheint, war diesem Mangel nicht abzuhelfen. So sind, z. B. die musikalischen Compositionen der verschiedenen bey den hieher gehörigen Artikeln angeführten, Tonkünstler, nicht allemahl umständlich angezeigt; aber diejenigen, welche, bey Gelegenheit der ersten Auflagen dem Verfasser Vorwürfe hierüber gemacht haben, scheinen nicht zu wissen, daß die Titel, selbst bey den gedruckten und gestochenen Musikalien, selten oder nie, den Innhalt, das Jahr der Erscheinung, u. d. m. bestimmt angeben, und daß folglich selten die Werke eines Tonkünstlers, dadurch hinlänglich von einander unterschieden, oder gehörig nachgewiesen, und genau characterisirt werden können. Wer hievon nicht überzeugt ist, mache Versuche, z. B. mit den Artikeln, Sonate, Symphonie, u. v. m. und er wird sehen, wie ganz unmöglich es fällt, dem ächten Litterator Genüge zu leisten. Das Wesentliche bey litterarischen Notitzen besteht, meines Bedünkens, in der Richtigkeit und Genauigkeit derselben; und daß der Verfasser es nicht an Mühe und Fleiß fehlen lassen, diejenige Vollkommenheit, welche, in Rücksicht hierauf, in seinen Kräften stand, seiner Arbeit zu geben, wird eine Vergleichung zwischen dieser, und der vorhergehenden Auflage lehren können.
Uebrigens werden die Zusätze, wie es schon bey eben dieser Auflage versprochen war, ganz gewiß besonders abgedruckt, aber nicht ehe, als nach Beendigung der gegenwärtigen, erscheinen, damit die, während dem Drucke derselben, erschienenen oder noch übersehenen Schriften, welche auch dem letzten Theile des Werkes selbst angehangen werden sollen, hinzu gefügt und gehörig eingeschaltet werden können.
Leipziger Ostermesse 1792.
Vorbericht zu der ersten vermehrten Auflage.
Der Beyfall, welchen des Hrn. Sulzer allgemeine Theorie der schönen Künste, im Ganzen, erhalten hat, veranlaßte den Hrn. Reich, eine Verbesserung dieses Werkes, bey dieser neuen Auflage desselben, zu wünschen; allein die Achtung, welche Deutschland dem Andenken des Verfassers schuldig ist, und für das Werk selbst bezeugt hat, schienen seine andre Art von Verbesserung, als eine bloße Vermehrung, als einen Zusatz litterarischer Nachrichten, zuzulassen. Hr. Sulzer hatte sich selbst durch seine Theorie ein Denkmahl gesetzt; und Deutschland hatte diesem Werke einmahl seinen Beyfall geschenkt: was war billiger, was natürlicher, als daß es, wenn es seinen Nahmen behielt, auch unverändert von andern Händen blieb? Aber, jene litterarische Notizen waren, gleich bey der Erscheinung des Werkes, gewünscht worden; sie konnten gegeben werden, ohne die Arbeit des Hrn. Sulzer zu zerstören, und es ist so natürlich, sie in einem Wörterbuche zu suchen; es blieb also nur die Frage übrig, wie sie zu machen waren? Auf solche Art sie abzufassen, wie der Recensent dieses Werkes, in der allgemeinen deutschen Bibliothek B. 22. S. 12. sie wünschte, wäre unstreitig das bessere gewesen; allein dann hatten wenigstens die Artikel selbst, diesem gemäß abgefaßt seyn müssen. Wie war es möglich, bey dem Art. Comisch, z. B. „die Hauptautoren, welche lehren, wie weit sie lehren, wie sie anzugreifen, wie sie zu lesen sind ?" anzuführen, da, in dem Artikel selbst, nicht untersucht, oder bestimmt worden ist, ob- und in wie fern die bildenden Künste, und die Musik das Comische zulassen? Ob- und wie es in diesen wirkt, und wodurch es in ihnen bewirkt wird? Da in ihm nicht einmahl von allen Arten des Comischen in der Dichtkunst, sondern von nichts, als von den Personen des Lustspieles, die Rede ist? Aus solchen Zusätzen wäre vielleicht ein Artikel entstanden, welcher den Sulzerschen, der aber, wie gedacht, immer das Hauptwerk bleiben sollte, hätte überflüßig machen können. - Und eben so überflüßig würden diese Zusätze selbst wieder gewesen seyn, wenn in ihnen keine, als die wichtigern, als die allenfalls jetzt noch brauchbaren und lesbaren Schriftsteller aller Art, und keine andern, als die allgemein berühmten Artisten, u. d. m. angegeben worden wären; denn wem, dem, dieses zu kennen, irgend angelegen seyn kann, ist es noch unbekannt? Wem sind wenigstens nicht die wichtigsten Schriftsteller über Aesthetik und Dichtkunst, und die besten Dichter, aus den Werken der Herren Schmid und Eschenburg bekannt geworden? Es blieb also nichts übrig, als für die Liebhaber der Litteratur der schönen Künste, nicht für den bloßen Liebhaber dieser Künste selbst zu arbeiten; nichts übrig, als dasjenige zu sammeln und anzuzeigen, was, wenn es genau untersucht wird, die Behandlung und den Zustand derselben, in einzeln Zeitpunkten und bey einzelnen Völkern, und ihren verschiedenen Zustand, oder den Zustand einzeler Gattungen derselben, bey verschiedenen Völkern, u. d. m. auf irgend eine Art, in das Licht setzen, oder Licht über die Geschichte derselben verbreiten kann. Daß auf diese Geschichte, dem Begriffe gemäß, welchen ich mir von ihr gemacht, mein Augenmerk, bey Abfassung dieser Zusätze, vorzüglich, gerichtet gewesen; daß ich diese Geschichte, und die Litteratur der schönen Künste überhaupt, für Jeden, welcher sich mit der Theorie derselben abgeben will, für ganz unentbehelich halte, bekenne ich gern. Und daß, vorzüglich aus den ersten Zeitpunkten dieser Geschichte, vieles, was jetzt nicht mehr anwendbar ist, vieles, was jetzt höchst unbedeutend scheint, und, an und für sich betrachtet, wenig Unterhaltung oder Vergnügen mehr gewährt, mit zu dieser Geschichte gehört, und daß diese, im Ganzen, äußerst vernachläßigt, und die Litteratur der schönen Künste überhaupt sehr flüchtig, sehr obenhin behandelt wird, ist, dünkt mir, auch erweislich genug. Nur gestattete wieder die Natur des Werkes nicht, jene Zusätze, diesem Zwecke ganz gemäß, einzurichten. Der Raum verbot es, sie sowohl vollständig, als umständlich genug zu machen. Hätte ich, bey dem Artikel Comödie, z. B. die, nur von den angeführten Schriftstellern, geschriebenen Lustspiele, die verschiedenen, nur mir bekannten Ausgaben und Uebersetzungen derselben, oder bey dem Art. Aeneis, z. B. alle Ausgaben und Uebersetzungen, einzeln, und ausführlich anzeigen; hätte ich alle, blos grammatische, Erläuterungsschriften der alten Schriftsteller, und alle Erklärungen und Abbildungen aller einzeln alten Kunstwerke u. d. m. beybringen; hätte ich die, nur angeführten, oder auch nur die wichtigsten dieser Schriftsteller und Artisten, so wie ihre Werke alle gehörig characterisiren; hätte ich das eigenthümliche Verdienst der erstern, und die Umstände, wodurch sie es erlangten, so wie den besonders Geist und Zweck der letztern, und die Mittel, wodurch, und ob dieser Zweck erreicht worden ist, und die Ursachen, warum diese Werke so und nicht anders ausfallen konnten, und den Einfluß, welchen sie hatten: Hätte ich alles dieses genau, obgleich so kurz als möglich, bestimmen wollen: so würden, auch wenn ich mir selbst darüber Genüge zu thun vermocht, diese Zufätze viel weitläuftiger, als die Artikel selbst geworden, und Rückweisung auf andre Werke doch immer noch nothwendig geblieben sein. Ich habe also oft nur, allgemein, was da ist, obgleich so genau, als mir möglich gewesen, angezeigt; ich habe nur selten Urtheile, obgleich nie fremde, und nur, wenn ich sie, mit Gewißheit fällen zu können, glaubte, eingewebt; mit einem Worte, ich habe mehr Materialien liefern, als diese Materialien immer selbst gehörig verarbeiten, ich habe mehr Anleitung zu dem Studio der Geschichte der Künste geben, als diese Geschichte selbst darlegen können. So mußte ich, z. B. mich auf bloße Nahmenverzeichnisse der berühmtesten Artisten, und, hin und wieder, auf geringe Winke über ihr Verdienst, einschränken; allein, wer diese Verzeichnisse für das, was sie seyn konnten, und seyn sollten, gleichsam als Faden, zur Einführung in die Geschichte dieser Künste ansieht, wird dann zur Kenntniß des übrigen, und auch derjenigen Künstler gelangen, welche Einer und der Andre hier vielleicht noch vermissen kann. Freylich hat aber bey der großen Anzahl von Werken, und Schriftstellern und Artisten, aller darauf verwandten Aufmerksamkeit ungeachtet, mir immer auch Manches noch entgehen müssen, was in diese Zusätze eigentlich zu gehören schien; und ich habe daher kein Bedenken getragen, das, mir nachher eingefallene Wichtigste davon, in dem, dem zweyten Bande angehängten Verbesserungen und Berichtigungen, nachzuhohlen.
Bey den eigentlichen Detailartikeln habe ich, zum Theil, einen andern Plan befolgt; ich habe bey ihnen mehr Rücksicht auf die eigentliche Theorie genommen; und bey den mehrsten, aus den verschiedenen, mir bekannten, bessern Schriftstellern darüber, dasjenige nachgewiesen, was den, welcher sich weiter unterrichten will, weiter bringen kann. Auf die Kritik der Artikel selbst habe ich mich aber selten eingelassen. Dazu war hier der Ort nicht. Auch ist in dem vorhin angeführten Bande der allgemeinen deutschen Bibliothek, so wie in der zweyten Abtheilung des Anhanges zu dem 25ten - 36ten B. dieses Werkes, und in dem 15ten und 16ten B. der Neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften, und in dem Philosophen für die Welt, meines Bedünkens, so viel Wahres und. Zweckmäßiges, zur Bestimmung des Werthes der Theorie des Hrn. Sulzer überhaupt, gesagt worden, daß, wer einer Anleitung zur Beurtheilung derselben bedarf, oder sie sucht, sich dort Rathes erhohlen kann. Nur, wenn ein Artikel, wie z. B. der Artikel Anständig, offenbar, auf schielende, oder falsche Begriffe zu leiten schien, habe ich mir eine kleine Berichtigung, obgleich auch dann nur selten, erlaubt.
Leipziger Ostermesse 1786.
Bd. 1 (1798), S. I-XI.
