Sinold von Schütz, Philipp Balthasar
Neu-vermehrtes und verbessertes Reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon
Darinnen sowohl Die Religionen und geistlichen Orden, die Reiche und Staaten, Meere, Seen, Inseln, Flüsse, Städte, Festungen, Schlösser, Häfen, Berge, Vorgebürge, Pässe und Wälder, die Linien Teutscher hoher Häuser, die in verschiedenen Ländern übliche so geistliche als weltliche Ritter-Orden, Wapen, Reichs-Täge, gelehrte Societäten, Gerichte, Civil- und Militair-Chargen zu Wasser und Lande, und der Unterscheid der Meilen, vornehmsten Münzen, Maaß und Gewichte, die zu der Kriegs-Bau-Kunst, Artillerie, Feld-Lägern, Schlacht-Ordnungen, Belagerungen, Schiffahrten, Unterscheid der Schiffe und der dazu gehörigen Sachen gebräuchlichen Benennungen: Als auch Andere in Zeitungen und täglicher Conversation vorkommende aus fremden Sprachen entlehnte Wörter, nebst denen alltäglichen Terminis Juridicis und Technicis, Gelehrten und Ungelehrten zu sonderbarem Nutzen klar und deutlich beschrieben werden
Nebst einem angehängten brauchbaren Register und neuen Vorrede, auch nützlich und zur Erläuterung dienenden Kupfern
Regensburg; Bader 1761
Sprache
- deutsch
Schlagworte
Einheitssachtitel
Paralleltitel
- Johann Hübners reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon
- Neu-Vermehrtes und verbessertes Reales Staats-, Zeitungs- und Conversations-Lexicon
- De staats- en koeranten-tolk
- De nieuwe, vermeerderde en verbeterde kouranten-tolk
Neue Vorrede.
"Die so oft widerholten Auflagen dieses realen Staats- und Zeitungs-Lexici, die Würde seines Innhalts und der allgemeine Beyfall des Publici, sind allzuüberzeugend, als daß ich erst Ursache hätte durch eine neue Vorrede, das Nützliche und Brauchbare desselben der Welt bekannt zu machen; Die gegenwärtige Vorrede wird sich auf keine Art hiemit beschäftigen, und wenn man vor nöthig erachtet hat, sie dieser neuen Auflage vorzusetzen, so ist es in keiner andern Absicht geschehen, als es das Wesentliche der neuen Verbesserungen, und die Vermehrungen anzuführen welche diesem Buche bisher nöthig gewesen. Die wichtigen Veränderungen welche sich seit einigen Jahren in Europa und vornemlich in Deutschland ereignet, die traurigen Schicksale welche manche Gegenden durch einen fortdaurenden Krieg erlitten, den Platz den sie deswegen in der Geschichte verdienen und die verschiednen Vorfälle, welche sich in den Staaten und hohen Familien zugetragen, sind allerdings solche Begebenheiten, welche bey einer neuen Ausgabe dieses Buches nicht ausgelassen werden konnten. Der geneigte Leser wird sie bey jedem Artickel sorgfältig angemerkt finden, und zugleich auch alle die Orte antreffen welche sich durch kriegerische Vorfälle merkwürdig gemacht haben,
Da diese Vermehrungen blos eine Rücksicht auf die Geschichte haben, so kan man auch mit eben so gutem Grunde der geographischen Verbesserungen Erwehnung thun. Ich leugne auf keine Art, daß die vorigen Ausgaben hierinne sehr mangelhaft gewesen, daß sie theils manchen Orten irrige Benennungen gegeben, theils auch ihre wahre Lage nichts weniger als richtig bestimmt. Mehr als ein Artickel könnte in diesen Fall zum Beweise dienen, und man gestehet es sehr gerne, daß die gelehrten Verfasser der göttingischen Anzeigen nicht ohne Grund bey den letztern Ausgaben solche Fehler angemerkt, welche in der That nicht unter diejenigen gehören, die man einem blossen Versehen eines Verbesserers zuschreiben kan. Ihre Anmerkungen haben mich vollkommen aufgemuntert, bey der Abhandlung ganzer Reiche mehr Sorge zu tragen. Die Abänderungen die man deswegen bey den Artikeln von Dännemark, Großbrittanien, Rußland, und bey andern Stellen antreffen wird, können mich in diesem Fall rechtfertigen, und zu gleicher Zeit zum Beweise dienen, daß Erinnerungen, wenn sie von Kennern herrühren einen vernünftigen Schriftsteller, niemahlen zum Verdruß und Widerwillen reitzen müssen.
So wenig ich an den ersten Verbesserungen Theil gehabt habe, so wenig ist es gegenwärtig meine Absicht, zu behaupten, daß diese neue Auflage vollkommen sey. Kein Zeittalter hat Schriften von der Art hervor gebracht, und ich bin auf keine Weise so stolz zu behaupten, daß in diesem Buche nicht noch manches abzuändern vorkomme. Schon die Einrichtung desselben ist von der Beschaffenheit, daß es beständiger Verbesserung bedarf, und gesetzt, daß noch hin und wider dergleichen nöthig gewesen, so wird auch die künftige Zeit und ein fortdaurender Fleiß diesen Mangel abhelfen können. Ich schmeichle mir bey allen dem, daß das Nothwendigste abgeändert worden, daß in den genealogischen Artikeln alle Veränderungen angemerket worden, und daß man auch eine nemliche Richtigkeit in chronologischen Fällen beobachtet. Die Unrichtigkeit der vorhergehenden Auflagen, war bey Benennung der Oerter, in den nordischen Reichen am meisten sichtbar, und ich gestehe es daß sie mir vornemlich Mühe gemacht. Ohne verschiedener anderer Hülfsmittel Erwehnung zu thun, so war mir die Erdbeschreibung des gelehrten Herrn Professor Büschings, bey dieser Arbeit keine geringe Erleichterung. Die Ordnung die dieser Gelehrte überall bey Abhandlung ganzer Reiche beobachtet, die Zuverlässigkeit mit der er von ihren neuern Einteilungen gehandelt, hat mich veranlasset ihn bey meinen Verbesserungen durchaus zu folgen, und so durchgängig beliebt die Arbeit dieses geschickten Mannes ist, so viel Hoffnung habe ich, daß der geneigte Leser auch in diesem Fall meine Bemühungen mit Zufriedenheit bemerken werde.
Die neuen Zusätze weiche uns durch auswärtige Freunde zugeschickt worden, sind mit Vergnügen diesem Buche einverleibet worden. Man erkennet ihre Freundschaft mit einer wesentlichen Dankbegierde, und wünschet nichts so sehr, als daß auch künftig die Beyträge geschickter Männer diesem Buche einen neuen Glanz geben möchten.
So sehr übrigens auf das Brauchbare und Nützliche dieses Buches gesehen worden, so sehr man bemühet gewesen es von Druckfehlern nach Möglichkeit zu reinigen, so sehr hat sich auch der Herr Verleger angelegen seyn lassen, diese neue Auflage durch schönes Papier und saubern Druck bey ihrem Ansehen zu erhalten, so, daß er sich allerdings schmeicheln darf, es werde mit einem fortdaurenden Beyfall auch künftig von dem geschätzten Publico aufgenommen werden.
Bishieher hätte ich also meiner Verbindlichkeit, dem geneigten Leser dasjenige bekannt zu machen was bey dieser neuen Auflage geleistet worden, ein Genüge gethan. Ich würde hier schließen können, wenn mir nicht zu gleicher Zeit obläge, gewisse Vorwürfe von diesem Buche abzulehnen, welche demselben in der Vorrede der letztern Leipziger Ausgabe von 1760. gemacht worden. Der Herr Magister Schuhmann, welcher sich der dortigen Verbesserung unterzogen, beschwert sich vorzüglich daß in derjenigen Vorrede welche unserer Edition von 1759. vorgesetzet worden, so wohl die Leipziger Ausgabe, als auch er, sehr unfreundlich verunglimpfet worden. Da ich bereits voraus gesetzt habe, daß die vorigen Ausgaben nicht von mir besorgt worden, so ist auch die bemeldte Vorrede mein Werk nicht gewesen, ich würde mich also gänzlich entziehen können hierauf zu antworten, wenn nicht der Herr Magister Schuhmann auch zugleich die Peetz und Baderische Auflagen etwas zu hart angegriffen. Ich gestehe es gar gerne, daß es nicht unter die edlen Eigenschaften von Personen gehöre welche sich den Wissenschaften widmen, wenn sie ihre Leidenschaften durch Verunglimpfungen an den Tag legen. Ich habe die Ehre nicht den Herrn Magister Schuhmann von Person zu kennen, alleine verschiedene von seinen Arbeiten haben bey mir eine wahre Achtung gegen ihn hervorgebracht, und aus dem nemlichen Grunde bin ich in dieser Vorrede durchaus nicht gesonnen, etwas an seiner Verbesserung auszusetzen. Meine die nemliche Aufrichtigkeit mit der ich von meiner Arbeit gesprochen, daß Bekenntniß daß ich abgeleget, wie noch manches geändert werden könne, wird auch bey den Herrn Magister Schuhmann den Eindruck machen, daß so viel Mühe er sich gegeben, dennoch auch für das Künftige etwas zurück geblieben sey. Ob man aber der Regensburgischen Auflage vorwerfen dörffe, daß sie verstümmelt sey, und ob man es ein Plagium litterarium nennen könne, wenn das nemliche Buch an einen andern Ort mit allergnädigsten Kayserlichen Privilegio gedruckt wird, läßt sich wie ich dafür halte, leichter schreiben als gründlich beweisen. Ich bin übrigens nicht in Abrede daß bey der letzten Leipziger Ausgabe vieles geleistet worden, alleine ich verhoffe daß auch unserer gegenwärtigen neuen Auflage die Gerechtigkeit widerfahren wird, daß sie vorzüglich in dem geographischen Theile um ein beträchtliches verbessert worden. Ueberhaupt wird aus allen dem was ich hier vorausgesetzet, der Herr Magister Schuhmann keine weitere Ursache zu klagen haben. Meine Hochachtung gegen ihn wird allezeit die nemliche bleiben, und solte ich auch gegen meine Vermuthung, dem Herrn Magister Ursache zu neuen Klagen gegeben haben, so bin ich allezeit geneigt mit einer Bescheidenheit darauf zu antworten, die ihn überzeugen kan, daß ich nicht von Leidenschaften geführet werde.
Regensburg, den 1. Jul.
1761
G. J. Lenz, Dicast. Rat. Ass."
