Enzyklothek
Cover für Reales Staats-, Zeitungs- und Conversations-Lexicon

Sinold von Schütz, Philipp Balthasar

Reales Staats-, Zeitungs- und Conversations-Lexicon

Worinnen so wohl Die Religionen und Orden, die Reiche und Staaten, Meere, Seen, Flüsse, Städte, Festungen, Schlösser, Häfen, Berge, Vorgebürge, Pässe, Wälder und Unterschiede der Meilen, die Linien Deutscher hoher Häuser, die in verschiedenen Ländern übliche Ritter-Orden, Wapen, Reichs-Täge, gelehrte Societäten, Gerichte, Civil- und Militair-Chargen zu Wasser und Lande, Müntzen, Maaß und Gewichte, die zu der Kriegs-Bau-Kunst, Artillerie, Feld-Lägern, Schlacht-Ordnungen, Schiffahrten, Unterschied der Schiffe, und der darzu gehörigen Sachen gebräuchliche Benennungen, als auch Andere in Zeitungen und täglicher Conversation vorkommende Latein- und Frantzösische Wörter, Termini Juridici, und aus allerhand Sprachen bestehende Termini Artis, denen Gelehrten und Ungelehrten zu sonderbarem Nutzen klar und deutlich beschrieben werden
Leipzig; Gleditsch 1708

Sprache

  • deutsch

Schlagworte

Paralleltitel

  • Johann Hübners reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon
  • Neu-Vermehrtes und verbessertes Reales Staats-, Zeitungs- und Conversations-Lexicon
  • De staats- en koeranten-tolk
  • De nieuwe, vermeerderde en verbeterde kouranten-tolk

Vorbericht. Vorrede.

Vorbericht
"Indem sich der Nutz und Gebrauch gegenwärtiges Buches also fort auf dessen Titul-Blate klärlich zeiget, so wäre es, allem Ansehen nach, ein Uberfluß, viele Worte hiervon zu machen, und wird es dannenhero genug seyn, wenn der Urheber desselben nur allein diese wenige Erinnerungen hinzufüget. Man hat sich nemlich zur Erklärung derer aus verschiedenen Wissenschafften hergenommener Wörter der bewehrtesten Bücher aus allerhand Sprachen bedienet. Was aber die Geographie insonderheit anlanget, so hat man Baudrands Geographisches Dictionarium zum Grunde gesetzet; jedoch also, daß die darinnen befindlichen Irthümer nach Mögligkeit vermieden oder verbessert, und viele Oerter zur Vermehrung desselben hineingerücket worden, wie solches denjenigen offenbar werden wird, welche sich die Mühe nehmen wollen, beyde Bücher mit einander zu conferiren.
Hiernechst hat man sich aller unnöthigen Weitläufftigkeit enthalten, z. e.wenn bey dem Worte Montmeliar gesaget wird, daß es eine Stadt in Dauphiné sey, so wird nicht hinzu gesetzet, daß diese Provintz indem Königreich Franckreich liege; sondern es wird praesupponiret, daß dem Leser solches bereits bekant seye, oder daß er wiedrigen Falls das Wort Dauphiné auffschlagen werde.
Bey den Flüssen hat man nur allein ihren Ursprung und Einfluß, nicht aber auch zugleich beschrieben, was sie vor Länder durchstreichen, oder was sie unter währendem Lauff vor andere Flüsse verschlingen, indem solches leichtlich auff den Land-Charten gesehen werden kan, wenn man nur erstlich den Anfang und das Ende des Flusses gefunden hat. Worbey noch dieses zu mercken, daß die Benennung der Ufer zur rechten und lincken Hand folgendermassen zu verstehen seye. Der geneigte Leser bilde sich ein, als ob er bey dem Ursprunge des Flusses stehe, und sich mit dem Angesichte gegen den Einfluß desselben gekehret habe. Was ihn: alsdenn zur rechten Hand lieget, das ist das rechte, und was ihm zur lincken lieget, das ist das lincke Ufer des Flusses. Diese Benennung ist, meines Erachtens, umso viel desto vorträglicher, als der Gebrauch derer Worte disseit und jenseit, indem jene an allen Orten einerley bleibet; diese aber vielen Veränderungen unterworffen seynd. z. e. Wenn ich allhier zu Leipzig sage, daß die Stadt Maintz jenseit des Rheins lieget, so kan mir solches einer, der zu Straßburg wohnet, nicht nach sprechen; dahero man auch in den historischen und andern Büchern zum öfftern sehr grobe und lächerliche Fehler anmercket, wenn diejenigen, welche etwas aus einem Scribenten anführen, darbey zu beobachten vergessen, an welchem Orte derselbe seine Historie geschrieben hat.
Die Lateinische Benennungen seynd allemahl mit cursiv oder geschobener Schrifft gedrucket worden. Wo aber dieselben von einem Deutschen oder einem andern Worte wenig oder nur wegen der Endigung unterschieden seynd, da hat man sie, um beliebter Kürtze willen, gar ausgelassen, weil selbige an sich selbsten leichtlich zuverstehen seynd.
Im übrigen hat man das Format also eingerichtet, daß es die Reisenden bequem bey sich führen, und entweder sich daraus Rathes erholen, oder bey einem oder dem andern Orte hineinzeichnen können, was sie merckwürdig zu seyn erachten. Alldieweil auch dieses Buch, eben sowohl als alle andere von dergleichen Art, den Irthümern unterworffen ist, so werden alle und iede Leser inständig ersuchet, falls sie dergleichen anmercken, selbige, wie auch, was sonsten zu Vermehrung dieses nützlichen Werckes dienen könte, an den Herrn Verleger zu übersenden, und sich zu versichern, daß man diese erzeigte Gewogenheit und Freundschafft jederzeit mit gebührendem Danck erkennen werde.
Vorrede Herrn Johann Hübners, Rectoris des Hochfürstl. Sächsischen Gymnasii zu Merseburg.
Geneigter Leser.
I. Als dieses so genannte Reale Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon, an der Oster-Messe des tausend sieben hundert und vierdten Jahres zum ersten mahl in die Welt ausflog: So ließ ich mich, weil der Herr Autor unbekannt seyn wolte, an seiner Stelle gleichsam zu einem Wegweiser gebrauchen, und brachte es auch unter Gottes Segen dahin, daß dieses nützliche Buch an allen Orten, wo die Deutsche Sprache floriret, in kurtzer Zeit in ziemliche Bekandtschafft kam.
II. Anderthalb Jahr darnach, als sich die andere Edition reisefertig machte, so brauchte dieses Buch zwar keinen Wegweiser mehr, weil es den Weg in die gelehrte Welt albereit gefunden hatte. Ich ließ aber doch eine neue Vorrede voran drucken, und gab ihm also gleichsam ein Recommendacions-Schreiben mit auf den Weg.
III. Anjetzoo, da-fich dieses Buch zum drittenmahl in einer neuen Gestalt præsentiret, so könte ich mich der Mühe zu schreiben zwar wohl überheben, weil es sich numehro durch seine innerliche Güte für Gnüge recommendiret hat. Ich befinde mich aber doch aus andern Ursachen verbunden, diesem herrlichen Hand-Buche der studierenden Jugend, auch bey dieser dritten Tour, in einer kurzen Praefation, zum wenigsten das Geleite zu geben.
IV. Indem ich aber dieses thun will, so wirs du, geneigter Leser, mir vergönnen, daß ich mich erstlich in einen alten, und darnach in einen neuen Discours mit dir einlassen möge.
V. Ein alter Discours wird es seyn, wenn ich dir von dem eigentlichen Innhalte dieses Buches Nachricht geben werde, weil du wenig oder nichts von mir hören wirst, daß ich dir nicht allbereit vor zwei Jahren in der andern Vorrede gesaget hätte. Es wird dir aber am so viel desto weniger verdrießlich fallen, weil du vielleicht weder die erste noch die andere Präfation gelesen hast.
VI. So wisse denn, daß dieses Werck eigentlich curieusen Leuten zugefallen ist angeleget worden, welche die so genannten Zeitungen, mit Verstande lesen wollen; und dessentwegen heisset es ein Zeitungs-Lexicon.
VII. Weil nun in solchen Zeitungen nichts anders enthalten ist, als der allerneueste Zustand der vornehmsten Staaten oder Republiquen in der Welt; so ist es zugleich ein Staats- und Zeitungs-Lexicon tituliret worden.
VIII. Weil ferner in diesem Lexico keine cathedralische Erudition, sondern nur allerhand zum täglichen politischen Umgange mit gescheuten Leuten unentbehrliche Stücke der galanten Gelehrsamkeit enthalten sind. So kan mans wohl mit allem Rechte ein Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon nennen.
IX. Und weil endlich die Wörter in diesem Lexico nicht verbaliter oder grammatice, sondern vielmehr realiter sind erkläret worden, so ist endlich der vierfache Titul eines Realen Staats- Zeitings- und Conversations-Lexici daraus entstanden.
X. Solcher gestalt must du nun keine Schul-Vocabula oder Phrases darinnen suchen. Denn es ist keine Sylva oder Medulla; sondern ein reales Lexicon,
XI. Du must auch keine Distinctiones Scholasticas, oder andere Pedanterien darinnen nachschlagen; denn es ist kein Philosophisches; sondern ein Staats-Lexicon.
XII. Ferner must du nicht auf die Gedancken gerathen, als wenn du alles darinnen finden würdest, was sich von Anbegin der Welt zugetragen hat: Denn es ist kein Historisches; sondern ein Zeitungs-Lexicon.
XIII. Und endlich must du nicht praetendiren, daß gantze Disciplinen und Wissenschafften darinnen stehen sollen; denn es ist kein Academisches Systema; sondern nur ein Lexicon.
XIV. Gleichwie ich dir nun also deutlich genung, gesaget. habe, was du nicht in diesem Buche suchen must: Also will ich dir nunmehro leichtlich beybringen, was denn eigentlich darinnen enthalten sey.
XV. Es ist nehmlich bekannt, daß heutiges Tages alle Welt durch Gelegenheit der gewöhnlichen Zeitungen von den meisten Staats-Sachen schreibet; lieset und raisonniret.
XVI. Weil nun in solchen Discoursen unzehliche Wörter und Expressiones vorkommen, die nicht ein jedweder verstehet, so hat der gelehrte Autor dieses Buches alle dergleichen Vocabula, ohne welche die Zeitungen nicht können verstanden werden, mit unermüdetem Fleiße zusammen getragen und um besserer Bequemligkeit willen in eine richtige alphabetische Ordnung gebracht. Und das ist der eigentliche Grund, oder so zu sagen, die Mensur dieses gantzen Werckes.
XVII. Kömmst du etwan auf die Gedanken, als wenn dergleichen Lexicon gar wohl zu entrathen wäre; weil man die meisten Dinge entweder schon weiß, oder doch gar leicht erfahren könnte, so dienet dir erstlich überhaupt zu wissen, daß dieses Buch eben nicht vor lauter grund-gelehrte Leute geschrieben ist; sondern daß man hauptsächlich Gelehrten von der mittleren Gattung und endlich auch solchen Leuten, die zwar nicht studiret haben, aber doch gleichwohl curieuse sind, damit hat dienen wollen.
XVIII. Darnach warne ich dich, daß du dir die capacität einen gründlichen Discours aus den Zeitungen zu formiren, nicht etwan gar zu leichte einbildest: weil etwas lesen und etwas verstehen; ingleichen was plaudern und was kluges reden, gar weit von einander unterschieden sind.
XIX. Ich habe dir albereit in der ersten Auflage dreyßig Vocabula ausgesucht, die du schwerlich alle verstehen wirst. Ich wiederhohle demnach dieselben, und praetendire von dir, daß du mir eine gründliche Antwort geben solt, wenn ich frage, was ist 1. eine Terze. 2. ein Chiaus. 3. eine Faussebraye. 4. Reis-Effendi. 5. Gala. 6. Ruota. 7. Caimacan. 8. Strelitzen. 9. Schout by Nacht. 10. Cochenille. 11. Glacis. 12. Exchequer.13. Caravane. 14. Seraglio. 15. Pospolite Rufczenie. 16. Praeconisiren. 17. Pensionarius. 18. Indulto. 19. Gens d'armes. 20. Brigantine. 21. Pincke. 22. Maravedis. 23. Assecuration. 24. Arriere-Ban. 15. Divan. 26. Committée. 27. Courtine. 28. Favorita. 29. Talismans. 30. Tarif.
XX. Demnach sind dir bey der andern Auflage wiederum ein halb Schock dergleichen alle Tage vorkommende Wörter ausgezeichnet worden, daran du dich probiren kanst. Z. E. 1. Reichs-Fuß.2. eine Tenaille. 3. Terra sigillata. 4. Tolpatschen. 5. Coruzzen. 6. Rubel. 7. Charlottenburg. 8. Klippinge. 9. Occasional-Conformity.10. Sappe. 11. Sicksack. 12. Respons-Gelder. 13. Neven. 14. Ramazan. 15. Orden der Deutschen Redligkeit.16. Ehrentaffel. 17. Pragmatica Sanctio. 18. ein Sprecher. 19. Testerdar. 20. Reichs-Vögte. 21, Pantheon. 22. Straßfahrer. 23. Mortier. 24. Hidalgos. 25. Dataria. 26. Annaten. 27. Budjadinger-Land. 28. Regale. 29. Spahis. 30. Brachmanen.
XXI. Bey diéser dritten Edition konten ihrer leichtlich 300. excerpiret werden, die dir guten theils unbekannt seyn werden, es mag aber auch dieses mahl nur bey dreyßigen verbleiben. Was ist demnach: 1. Habeas corpus. 2. Mund zuschliessen. 3. Maitre des requestes. 4. Lord Mayor. 5. Fugade. 6. Mandarin. 7. Stapel. 8. Murlatten. 9. Primicerio. 10. Mantelets. 11. Lit de Justice. 12. Podest. 13. Recitatif. 14. Pais latin. 15. Caponiere. 16. Paullette. 17. Parapet. 18. Erbmänner. 19. Menses Papales. 20. Quartianer. 21. Casten-Voigtey. 22. Albinagium. 23. Caciques. 24. Platte-forme. 25. Bizebani. 26. Humoristen. 27. Batycken 28. Escalade. 29. Etape. 30. Congregatione del S. Qfficio.
XXII. Nun wirst du wissen wollen, woraus man so viel Wörter, die in diesem lexico stehen, hergenommen? Und da kan ich dir nicht anders antworten, als daß sie aus allen Wissenschafften, Disciplinen, und Professionen entlehnet sind, die bißhero von der curieusen Welt sind excoliret worden.
XXIII. Damit du auch solches augenscheinlich sehen kanst, so will ich dir abermahl ein halb hundert Vocabula auszeichnen, die in diesem Buche können nachgeschlagen werden. 1. Transsubstantiation. 2. Cammer-Gerichte. 3. China Chinæ. 4. Sympathie. 5. Orthographie. 6. Accidentia. 7. Panegyricus. 8. Madrigal. 9. Ebbe und Fluth. 10. Respective. 11. Spiritus Familiaris. 12. Parcae. 13. Sout-Leeuvv.14. Hegira.15. Apanage. 16. Devise.17. Sire. 18. Westphälischer Friede. 19. Jansenisten. 20. Cabala. 21. Orcan. 22. Reservatio mentalis 23. Souverainité. 24. Parlament, 25. Raison de guerre. 26. Römer-Monat. 27. Quartiers-Freyheit. 28. Allodial. 29. Postulatio. 30. Proportio. 31. Stücke von achten. 32. Pyramiden. 33. Orion. 34. Nativität. 35. Polus. 36.Compas. 37. Piedestal. 38. Ravelin. 39. Petarde. 40. Punetiren. 41. Stein der Weisen. 42. Universität. 43. Brigadier. 44. Thee. 45. Zinnisch Fuß. 46. Galere. 47. Pallium. Tarif. 49. Gülden-Vließ. 50. Quintana.
XXIV. Wenn du diese Wörter etwas genauer ansehen wirst, und nur ein wenig Gelehrsamkeit hast, so wirst du bald inne werden, woher sie genommen sind. Denn das 1. gehöret in die Theologie, das 2. zur Jurisprudenz. 3. in die Medicin. 4.zur Philosophie. 5. ad Grammaticam. 6. ad Logicam. 7.ad Rhetoricam. 8.ad Poeticam. 9. ist aus der Physica. 10.aus der Metaphysica. 11.aus der Pneumatica. 12. aus der Mythologie, 13.aus der Geographie. 14. aus der Chronologie, 15. aus der Genealogie. 16. aus der Arte Heraldica. 17. gehöret ad Stylum curiae. 18.ad Historiam Politicam. 19. ad Historiam Ecclesiasticam. 20. ad Historiam literariam. 21. ad Historiam naturalem. 22. ist aus der Ethica. 23. aus der Politica generali. 24. aus der Politica speciali. 25. aus der Statistica. 26. gehört zum Jure publico, 27. zum Jure Gentium. 28. zum Jure Feudali. 29. zum Jure Canonico. 30. zur Mathesi. 31. zur Arithmetica. 32. zur Geometrie. 33. zur Astronomie. 34. zur Astrologie. 35 zur Cosmographie. 36. ad Gnomicam. 37. zur Architectura civili. 38. zur Architectura militari. 39. zur Artillerie. 40. zur Geomantie. 41. zur Alchymie. 42. ad rem literariam. 43. ad rem milirarem. 44. ad rem herbariam.45. ad rem nummariam.46. ad rem nauticam. 47. ad rem Vestiariam.48. ad Mercaturanı. 49. ad Antiquitates. 5o. ad exercitia corporis.
XXV. Wenn ich dich vorhero hätte überreden wollen, ehe ich dir diese Specification vor Augen geleget habe, daß dieses Lexicon aus halbhundert Wissenschafften zusammen getragen wäre, so dürfftest du wohl meine Worte in Zweiffel gezogen haben: Nunmehro aber wird es keines fernern Beweißthums brauchen, und du wirst, auch ohne mein Erinnern, gar leicht erachten können, daß es nicht geringe Mühe gekostet hat, so unterschiedene Materien zusammen zu suchen.
XXVI. Jedoch darffst du nicht dencken, als wenn alle diese fünffzig Disciplinen ganz wären erschöpffet worden, weil man solcher Gestalt die Gräntzen eines Zeitungs-Lexici gar weit würde überschritten haben: Sondern man hat aus mancher Wissenschafft viel, aus mancher wenig Wörter entlehnet, nachdem dieselben viel oder wenig zum Verstande der Zeitungen und heutigen Staats-Discourse contribuiren.
XXVII. Woltest du endlich dieses Buch beschuldigen, als wenn mehr darinnen stünde als vielleicht der Titul in sich hält; so will ich dir eben nicht wiedersprechen; ich glaube aber, daß man sonderlich von dergleichen Gattungen von Büchern sagen kan: Superflua non nocent.
XXVIII. So weit gehet der alte Discours. Nun habe ich dir noch zu melden, was dieses Werck bey der jetzigen dritten Auflage vor einen neuen Zusatz bekommen hat.
XXIX. Das Format an sich selber ist nicht geändert worden; du wirst auch nicht mehr, sondern eher weniger Bogen darinnen antreffen. Dem ohngeachtet versichere ich dich mit wahren Worten, daß sich die Anzahl der verbesserten, geänderten und vermehrten Artickel bey die 5000. beläufft.
XXX. Wofern du auch nur eine geringe connoissance von Buchdruckereyen hast, daß du die vorigen Columnen und litern gegen die jetzigen halten kanst, so wirst du mich in diesem Stücke keiner Rodomontaden beschuldigen.
XXXI. Darnach hat man bey den Festungen und Städten, welche sich sonderlich in den neulichsten Kriegen, bekannt gemachet haben ihre Fata kürtzlich angemercket, wenn und von wem sie in neulicher Zeit sind belagert und erobert worden.
XXXII. In der andern Edition hatte man aus der Arte Heraldica die vornehmsten Wapen kürtzlich beschrieben. Numehro aber hat man dieses Capitul weiter ausgeführet, also daß du von nun an in diesem Lexico von den Wapen aller Reichs-Fürsten und Reichs-Grafen zulängliche Nachricht finden wirst.
XXXIII. Ferner hat man wahrgenommen, daß die eingerückten Termini aus der Architectura Militari , und einige Passagen aus dem Jure publico dem Leser nicht unangenehm gewesen sind. Deßwegen ist vor dieses mahl die Anzahl derselben mercklich vermehret, und ein ziemlicher Vorrath von Juristischen Terminis, so viel derselben in der alltäglichen Conversation mit unterlauffen, mit beygefüget worden.
XXXIV. Einige haben zwar gewünschet, daß man auch die Philofophischen Terminos, die Nahmen der Kräuter, und auch wohl die Terminos Technicos aus denen Instrumental-Wissenschafften inseriren möchte. Weil aber so wohl das Format, als auch der Titul des Buches gar sehr darwieder protestirte, so hat man diesem Verlangen keine Satisfaction geben können.
XXXV. Hingegen werden dieselben ihr Vergnügen bey dieser dritten Auflage finden, welche gerne die aus der Lateinischen, Frantzösischen und andern Sprachen bey uns Deutschen numehro recipirte Conversations-Vocabula oder gantze expressiones darinnen haben sehen wollen, z. e. Caprice, quasi vero, Appointement, Confusum Chaos, und dergleichen unzehlige mehr.
XXXVI. Weil auch ausserdem hin und wieder mitten in den Artickeln zufälliger Weise viel undeutsche Wörter sind erkläret worden, so hat man dieselben am Ende des Buches in zwey accurate Register gebracht, damit auch das, was im Buche selbst nicht in Alphabetischer Ordnung stehet, gleichwohl mit leichter Mühe kan nachgeschlagen werden.
XXXVII. Viel Wörter werden auch auf zweyerley Weise geschrieben, und viel Dinge werden mit zweyerlev Nahmen genennet. Da man nun den Platz zu menagiren, die Explication eines solchen Wortes nur an einem Orte ausgeführet hat, so hat man hingegen an dem andern Orte, wo das Synonymische Wort stehet, die paginam, so viel als möglichen gewesen, allegiret, damit das Nachschlagen auf alle Weise möchte erleichtert werden.
XXXVIII. Einem und dem andern, die sich über die Insufficienz dieses Buches beschweret haben, hat man lieber in der That durch eine Vorrede considerable Vermehrung des Werckes, als durch eine weitlaufftige Apologie antworten wollen. Zumahl da man leicht hat wahrnehmen können, daß solche Klagen mehr über die erste, als über die andere Auflage sind geführet worden. Weil auch diese dritte Edition abermahl durch einen so grossen Zusatz ist vermehret worden, so lebet man des guten Vertrauens, daß dergleichen Gravamina numehro von sich selber wegfallen werden.
XXXIX. Zum Beschluß habe ich von dem Herrn Verleger Commission allen und jeden, die zur accuratesse und Vermehrung dieses Lexici etwas beygetragen haben, respective gehorsamsten und ergebensten Danck abzustatten. Weil auch derselbe nebenst mir hoffet und bittet, daß curieuse Leute auch ins künfftige mit dergleichen Remarquen hochgeneigt continuiren möchten. So wünschet man zugleich, daß doch ein jedweder belieben wolle, seltnen werthen Nahmen unter die eingeschickten memoriale schreiben, oder zum wenigsten einen andern Freund zu benennen, an welchen man die Antwort addressiren, und also theils die geziemende Reconnoissance darvor bezeugen, theils auch bey vorfallenden Dubiis weitere Communication pflegen könne.
XL. Hiermit gehabe dich wohl geneigter Leser, und erkenne dich so wohl gegen den Herrn Autorem, als auch gegen die übrigen Handlanger dieses höchstnützlichen Werdes obligat, weil du numehro in einem kurtzen Begriffe, mit wenig Untosten und leichter mühe viel tausend unentbehrliche Merckwürdigkeiten beysammen finden kanst, die man vor diesem an mehr als tausend Orten, mit mehr als tausendfacher Mühe suchen muste. Geschrieben im Gymnasio zu Merseburg an der Leipziger
Michaelis-Messe 1707.