Enzyklothek
Cover für Meyers Kleines Konversations-Lexikon

Meyers Kleines Konversations-Lexikon

Mehr als 130,000 Artikel und Nachweise mit etwa 639 Bildertafeln, Karten und Plänen sowie etwa 127 Textbeilagen
9 Bände
Leipzig; Bibliographisches Institut 1906-1917

Sprache

  • deutsch

Bandeinteilung

Bd. 1. A bis Cambrics. 1906
[Bd. 1. A bis Cambrics. 1908]
Bd. 2. Cambridge bis Galizien. 1907
[Bd. 2. Cambridge bis Galizien. 1908]
Bd. 3. Galizyn bis Kiel. 1907
[Bd. 3. Galizyn bis Kiel. 1908]
Bd. 4. Kielbank bis Nordkanal. 1908
Bd. 5. Nordkap bis Schönbein. 1908
[Bd. 5. Nordkap bis Schönbein. 1909]
Bd. 6. Schönberg bis Zywiec, Nachtr., 1909
Bd. 7. Ergänzungen und Nachträge. 1914
Kriegsnachtr. T. 1. 1916
Kriegsnachtr. T. 2. 1917
[Vollständiges Digitalisat dieser Auflage: Neuer Abdruck von 1914]

Vorwort.

Der „Kleine Meyer“ nicht mehr in drei Bänden, sondern in sechs! Maßgebend für diese tiefgreifende Umgestaltung waren zwei Gründe: einerseits der Wunsch, ein trotz verhältnismäßig geringen Umfangs und entsprechend billigen Preises erschöpfendes Nachschlagewerk für alle Kreise zu schaffen, anderseits die Erkenntnis, daß bei der Ausdehnung unsers heutigen Wissens eine große Anzahl neuer und wichtiger Artikel Aufnahme finden mußte, für die es in drei Bänden an Raum gefehlt haben würde. Zwei Hauptziele also verfolgt unser sechsbändiges Werk: es stellt sich einmal in den Dienst der breitesten Allgemeinheit, und es will zweitens ein modernes Buch sein.
Daß bei der Lösung dieser Aufgaben die reichen Erfahrungen, die wir aus der Arbeit an unsern übrigen enzyklopädischen Verlagswerken gewonnen haben, gewissenhaft verwertet wurden, versteht sich von selbst; aber unser neuer „Kleiner Meyer“ ist keineswegs ein Auszug aus dem „Großen Meyer“, sondern vielmehr ein völlig neues Werk, das von Grund aus selbständig angelegt und aufgebaut ist und einen Stolz darin sucht, allen Angehörigen des deutschen Sprachgebietes inner- und außerhalb Europas zu dienen, wie es denn vor allem auf österreichische Verhältnisse stets besondere Rücksicht nimmt.
Wer populär und praktisch sein will wie unser Werk, der muß eine allgemeinverständliche Sprache reden. Wir haben uns daher gehütet, den Inhalt unsrer Artikel, so sehr ein jeder das Erzeugnis gründlichster Fachkenntnis ist, in eine allzu streng wissenschaftliche Form zu gießen, haben uns vielmehr eines flüssigen, abgerundeten Ausdrucks befleißigt, abgerissenen Telegrammstil grundsätzlich vermieden. Zum Verständnis des gebotenen Stoffes wird es ferner dienen, daß wir die Bearbeitung einer Materie nicht räumlich zersplittert, sondern das, was zusammengehört, auch wirklich vereint haben, daß wir auf den Zusammenschluß größerer Gebiete zu größern Artikeln bedacht waren. Demselben Wunsche nach populärer Darstellung entsprach unser Bestreben, in der Technologie statt einer Beschreibung der Maschinenkonstruktionen, wie sie das zwanzigbändige Lexikon seiner Anlage entsprechend bringen muß, Schilderungen des Prozesses zu geben, der unter Benutzung jener Maschinen etwa zur Herstellung des Bieres oder irgendwelcher andrer Bedarfsartikel des täglichen Lebens führt. Vielen wird es erwünscht sein, daß wir philosophische Fragen in einer allen leichtverständlichen Sprache behandeln, daß wir geradezu ein ganzes Fremdwörterbuch in unsern Sechsbänder hineingearbeitet und allen fremdsprachigen Stichwörtern stets eine genaue Aussprachebezeichnung beigegeben haben. Praktischen Bedürfnissen dienen endlich auch die statistischen Übersichten über Handel, Verkehr, Heerwesen etc. in Tabellenform, die den Artikeln über größere Staaten als besondere Textbeilagen zugeteilt worden sind.
Um ein modernes Buch zu schaffen, haben wir die Einrichtung getroffen, auch Fächer, die sich heute einer erhöhten Aufmerksamkeit weiter Kreise erfreuen oder als ganz junge Wissenschaften aufstrebend in die Runde ihrer ältern Schwestern getreten sind, z. B. Hygiene, Völkerkunde, Volkskunde, Kolonisations- und Marinewissenschaft, von Fachleuten genau bearbeiten zu lassen. Bei der Wahl der Mitarbeiter wurde überhaupt darauf gesehen, allen Einzelgebieten durch Spezialisten ersten Ranges gerecht zu werden: die Völkerkunde bearbeitet kein Geograph, sondern ein Ethnolog, die ägyptische Kunst nicht der Kunsthistoriker, sondern der Ägyptolog, die Kultur des Judentums ein Rabbiner u. s. f. Ein Stab von mehr als 100 Mitarbeitern trägt zum Bau dieses auf festester Grundlage stehenden Werkes bei. In den Geschichtsartikeln pulsiert das moderne Leben, wie die Darstellung der jüngsten Kriege, der neuesten politischen Veränderungen u. s. f. zeigt. In Kunst und Literatur wurden neben den Meistern der Vergangenheit vor allem auch die Künstler und Schriftsteller behandelt, die mit und unter uns leben, in der Volkswirtschaft und Jurisprudenz die Fragen des täglichen Lebens, vor allem wirtschaftlicher Natur, in den Vordergrund gerückt. Die Hervorkehrung prinzipieller Standpunkte, z. B. auf den Gebieten der Volkswirtschaft, der Kolonisation, der Marine, gibt dem Werk einen durchaus nationalen Charakter.
Auch bei den Illustrationen wurde bei der Zusammenstellung der Tafeln Zusammengehöriges vereint und der genetische Zusammenhang der einzelnen Typen betont. So wird in „Holzbearbeitungs“- und „Metallbearbeitungsmaschinen“ der Prozeß, den ein hölzernes oder metallenes Werkstück durchmacht, klargelegt. Das gleiche Prinzip des innern Zusammenhangs hat eine Serie Tafeln gezeitigt, die unsre Waldbäume als „Alpiner Gebirgswald“, „Hochwald deutscher Niederungen“ etc. in der richtigen Gruppierung bringen. Ein neues Prinzip wurde auch bei den Tafeln aus der Kunstgeschichte verfolgt, in denen die gesamte Kunstbetätigung der einzelnen Epochen als „Romanische Kunst“, „Gotische Kunst“ ete. zusammengestellt ist. Nur bei der Malerei wurde die von der Kunstgeschichte vorgezeichnete Einteilung in italienische, niederländische, deutsche, französische etc. Schulen gewählt. Die Aufnahme von kunstvollen Reproduktionen von Gemälden in Autotypien bringt in die Praxis der Illustrierung unsrer Konversationslexika ein ganz neues Moment.
Bibliographisches Institut.“
Bd. 1 (1906), S. V-VI.