Universal-Konversations-Lexikon
Herausgegeben von Joseph Kürschner. Mit 455 farbigen und 2262 schwarzen Illustrationen, einem chronologischen Abriß der Weltgeschichte, Übersichten über die drei Naturreiche sowie einer Münztabelle
Berlin; Hillger 1896
Sprache
- deutsch
Einheitssachtitel
Paralleltitel
- Kürschners Universal-Konversations-Lexikon
Literaturhinweise
Vorwort.
Das vorliegende Buch ist eine Neubearbeitung meines Quartlexikons, dass 1888 in Stuttgart erschien und bei Benutzern und in der Presse freundliche Zustimmung fand. Eine Neuauflage desselben zu erleben war mein Lieblingswunsch, der jetzt nach Jahren unter ganz anderen Verhältnissen als ich sie damals voraussehen konnte, in Erfüllung geht. Wer sich an den weiten Kreis der Allgemeinheit wendet, begehrt naturgemäß auch für seine Arbeiten weiteste Verbreitung und deshalb lobte mich der Gedanke meines neuen Verlegers mit unwiderstehliche Gewalt: dem Buche in seiner Neuauflage durch eine im Verhältnis zu der Menge des gebotenen noch nicht da gewesene Billigkeit und zugleich durch die konsequente Durchführung eine schon von verschiedenen Verlegern versuchten Vertriebs überall bereitwillige Aufnahme zu sichern.
Grundlegende Änderungen haben sich in dieser Neuausgabe nicht vollzogen. Bei ihrer Bearbeitung ist vor allem darauf gesehen worden, daß die nicht ganz glücklichen Raumverhältnisse die einzelnen Teile verbessert, Neues nachgetragen und dafür Entbehrliches ausgeschieden wurde. Ich hatte das Glück, nicht nur gesammelte Notizen und Vorarbeiten, sowie die Erfahrungen, die ich aus den inzwischen erschienenen Werken verwandten Charakters und der von mir zu Ende geführten Neuausgabe des Piererschen Lexikons zog, benutzen zu können, sondern auch die alte Redaktion mit nur einer Änderung wieder vollzählig an meiner Seite zu sehen. Für Ihre aufopferungsvolle Arbeit sei ihr auch an dieser Stelle herzlich gedankt.
Das charakteristische Merkmal dieses Lexikons und seine Stellung unter den vielen großen und kleinen Büchern verwandter Art, die in Deutschland mit immer wachsender Vollkommenheit erscheinen, besteht darin, daß es bei der großen Artikelzahl, die eine kurze Fassung infolge des handlichen Gesamtumfanges des Buches nötig macht, doch Sachen und Personen allgemeinsten Interesses breiter behandelt, als es sonst der Rahmen des Ganzen berechtigt erscheinen läßt und daß es zugleich die Vorteile der großen Werke in Aussprachebezeichnung und Bibliographie anstrebt. Das Lexikon begnügt sich nicht bei Persönlichkeiten wie z. B. Goethe mit einer knappen Aufzählung der nötigsten Daten, sondern versucht bei aller Kürze den Entwicklungsgang des Gewaltigen verständlich zu machen, es deutet die schriftlich niedergelegten Arbeiten der Persönlichkeiten der verschiedensten Wissenszweige nicht nur an, sondern sucht sie durch Angabe einer oder einiger ihrer Werke klarer herauszuheben, es beschränkt sich bei mythologischen und dergl. Artikeln nicht auf wenige rein fachliche Angaben, sondern bemüht sich den Inhalt der Mythe &c. dem Suchenden erzählend nahe zu bringen, es hat mit Bezug auf Rechtsfragen, Krankheitszustände &c.so viel als möglich immer das praktische Interesse im Auge und weist dem Suchenden in den meisten Fällen durch knappe Litteraturangaben den Weg zu ergiebigeren Quellen.
Die Illustrationen sind gegen die erste Auflage wesentlich vermehrt, nur teilweise liegen Ihnen die alten Vorlagen zu Grunde; Wappen wurden sämtlich, die Flaggen, Orden, Bauwerke großen Teils, und in den übrigen Gebieten Vielerlei neu gezeichnet; bei den mythologischen Bildern ist wieder auf Moritz zurückgegangen worden. Die Karten der alten Ausgabe fielen vollständig weg, dafür fanden zwei deutsche Kolonialkarten Aufnahme, zu denen die Vorlagen in ihren hauptsächlichsten Teilen dem liebenswürdigen Entgegenkommen der bekannten Anstalt von Wagner & Debes in Leipzig zu danken sind. Ganz neu in Ausführung und Beigabe sind die Porträts, zwar keine Meisterwerke Lenbachscher Kunst, aber doch dem Zwecke entsprechend das Aussehen der oder jener namhaften Persönlichkeit sich zu vergegenwärtigen. Alle Illustrationen sind zur größeren Übersichtlichkeit auf Tafeln zusammengestellt, die das zusammengehörige an einer Stelle den Beschauern vorführen.
Zieht der Leser in Betracht, was nach diesen Angaben bezweckt wurde und erweckt er dabei freundlichen Sinnes, daß die Anpassungsfähigkeit des Lexikons in seinem Umfang auch an bescheidene Räume und in seinem Preis auch an magere Geldbeutel eine nicht gewöhnliche ist, so wird er von diesem Standpunkte aus vielleicht den Titel „Universal-Konversations-Lexikon“ nicht ganz so prätensiös finden, wie er mir erschien, als der Vorschlag kam, und wie er mir auch heute noch immer erscheinen will. Er wird auch Irrtümer freundlich verzeihen, die bei einer so vielseitigen Arbeit kaum ganz zu vermeiden sind, ja vielleicht sogar durch ihre Mitteilung an mich dazu beitragen, daß sie in Neuauflagen verbessert werden. Und ich erhoffe und wünsche solche Neuauflagen schon für meinen opferwilligen Verleger, der nur dadurch bei dem kecken Wagnis jeden herkömmlichen Ansatz bei der Preisfeststellung außer acht gelassen zu haben, eine erträgliche Stellung finden wird.
Noch eins habe ich auf dem Herzen und das ist der wärmste Dank an die Druckerei in Leipzig, die das Lexikon zu seinem Vorteile herstellte und an deren Leiter Herrn Säuberlich. Sie versagt nie, ob schon um möglichst neu zu sein, Satz und Druck auf eine kurze Zeit zusammen gedrängt wurde. Wenn das Buch Beifall findet, so weiß ich sehr wohl einen großen Teil davon ich neben meinen litterarischen, meinen technischen Mitarbeitern zu danken habe.
Der Herausgeber.
