Kleineres Conversations-Lexikon
Oder Hülfswörterbuch für diejenigen, welche über die, beim Lesen sowohl, als in mündlichen Unterhaltungen vorkommenden, mannichfachen Gegenstände näher unterricht sein wollen
4 Bände
Leipzig; Fleischer 1813-1815
Sprache
- deutsch
Einheitssachtitel
Paralleltitel
- Kleineres Conversations-Lexikon
- Conversations-Hand-Lexikon
- Conversations-Lexikon zum Handgebrauch
Bandeinteilung
Bd. 1. A - F. 1813
Bd. 2. G - L. 1813
Bd. 3. M - P. 1814
Bd. 4. Q - Z. 1815
Vorwort.
"Die Geistesbedürfnisse unsrer Zeitgenossen haben sich gegenwärtig in solch einem Grade vermehrt, daß man wohl nicht zu sehr über die Hülfsmittel, mit welchen man jenen immer und immer beizuspringen sucht, zu erstaunen Ursache hat. Daß einen Theil jener Mittel auch diejenigen Wörterbücher ausmachen, welche sich mit Erklärung der in das gemeine ieben übergegangenen wissenschaftlichen Kenntnisse und Begriffe beschäftigen, wird niemand bezweifeln: eben so wenig wird irgend jemand in Abrede stellen, daß unter diesen Wörterbüchern das bereits seit 1796 begonnene und gewiß nicht unrühmlich sich bekannt gemachte Conversations-Lexikon in der neueren Zeit zuerst auf die Art aufmerksam gemacht hat, wie man solche Bedürfnisse befriedigen könne. Die mancherlei Schicksale und Unterbrechungen, welche dieses Werk in einem Zeiträume von ungefehr 15 Jahren erfahren hat, gehören nicht hieher; wohl aber kann der Herausgeber des gegenwärtigen Hülfswörterbuchs zur Rechtfertigung seines Unternehmens das anführen, daß er, vom Anfange an von dem ersten Herausgeber jenes Lexikons zur thätigsten Theilnahme zugezogen, in der Folge, da der Tod diesen in jeder Hinsicht achtungswürdien Gelehrten hinwegrafte, selbst die Herausgabe der letzten Theile, so wie der Supplement-Bande übernahm. Es bedarf wohl keiner weitläuftigen Versicherung, daß während jener geräumigen Zeit dieser Herausgeber auf der einen Seite, mit dem Ganzen aufs innigste vertraut, unzählige Bereicherungen, Verbesserungen, Zusätze gesammelt hatte, auf der andern Seite aber nur zu gut einsah, daß, ob er gleich, dem ersten Plane getreu, in der angefangenen Art das Werk durchführen mußte, dennoch dieses zum Theil einen gar zu großen Umfang hatte, daß die Anhäufung mehrerer Theile für so manche Leser, die mehr vielleicht in kurzen Andeutungen belehrt, als durch so gar weitläufig ausgeführte Abhandlungen in ein zu großes Feld des Unterrichts geführt sein wollen, beschwerlich fallen müsse; daß folglich eine zusammengedrängte Aufstellung jener zur Unterhaltung unumgänglich nöthigen Kenntnisse und Begriffe für Viele weit zweckdienlicher sei.
Es kann daher, abgesehen von der Kostspieligkeit eines so Bändereichen Werks, wohl mit Gewißheit vorausgesetzt werden, daß einem sehr großen Theile des Publicums und selbst auch derjenigen, für welche der gar zu hohe Preis sowohl als der Umfang jenes Werks einen nicht unbedeutenden Grund zur Nicht-Anschaffung auemachten, eine ganz neue Bearbeitung jenes Werks willkommen sein muß, welches über die meisten gemein interessanten Gegenstände jedem, der an einer guten Unterhaltung Theil nehmen, oder auch bei Lesung eines anziehenden Buchs über so manches Wlssenswürdige belehrt sein will, zu Hülfe kommt und bei der größtmöglichsten Reichhaltigkeit der Artikel zugleich die zweckmäßigste Kürze sich zum Hauptgesetze macht. Dieses Wörterbuch also, welches unter dem Titel:
Kleineres Conversations-Lexikon oder Hülfsworterbuch für diejenigen, welche über die, beim Lesen sowohl, als in mündlichen Unterhaltungen vorkommenden, mannichfachen Gegenstände unterrichtet sein wollen
sich ins gebildetere Publicum einzuführen wagt, soll nicht nur Gegenstände der Geschichte (wohin auch die kurzen biographischen Nachrichten merkwürdiger Menschen gehören), der Mythologie, der Naturlehre, der schönen Künste und Wissenschaften in gedrängter Kürze enthalten; sondern auch die Erklärungen sehr vieler in der Conversation und Lectüre vorkommender, größtentheils auch aus fremden in unsre Sprache übergegangener Wörter werden hier für diejenigen, welche nur im Allgemeinen und zu geschwinderer Andeutung darüber belehrt sein wollen, ihren Platz finden.
Größere Reichhaltigkeit der Artikel und gedrängte Kürze sind also hierbei die Haupterfordernisse. In Ansehung der Reichhaltigkeit glaubt sich der Herausgeber durch die vielfachen Ergänzungen, Nachträge, Erweiterungen, welche er seit dem Entstehen jenes gedachten ersten Werks gesammelt hatte, in Stand gefetzt, so viel nur möglich, den Anfoderungen an Vollständigkeit Gnüge zu leisten, obgleich er zu wenig Anmaßung besitzt, um dieses sein Hülfswörterbuch als ein Orakel für das Wissenswürdigste auszugeben und anzupreisen. Auch glaubt er nicht, das Versprechen möglicher Vollständigkeit dadurch verletzt zu haben, daß er Wörter, welche allgemein bekannt sind und gar keiner weiteren Erklärung bedürfen, hinweggelassen hat. Was die möglichst gedrängte Kürze betrift, so haben den Herausgeber die vielseitigen gegründeten Bemerkungen, die ihm bei Gelegenheit jenes erstenn Conversations - Lexikons mitgetheilt worden, über die Anfoderung an ein solches Hülfswörterbuch sattsam belehrt. Nicht Weitschweifigkeit kann diefes zum Gemeinnützigen erheben — nicht die Größe einer Encyclopädie (denn unübersehbar würde der Umfang sein, wollte man vielleicht nur einen geringen Masstab anlegen nach dem, was z.B. Krünitz blos im Oeconomisch-Technologischen und den dahin einschlagenden Wissenschaften geliefert hat); nicht die Länge gelehrter Dissertationen; nicht die Weitläufigkeit aesthetischer Abhandlungen oder umständlicher, absprechender Biographien — alles Dinge, welche Keiner hier suchen wird: weder der Ungelehrte, der nur eine kurze Belehrung über das, was ihm nicht, oder nicht ganz verständlich ist, sucht; noch weit weniger der Gelehrte, der über jene Gegenstände keiner ausführlichen Abhandlungen bedarf, die er in großem systematischen oder überhaupt sein Fach umfassenden Werken zu erwarten berechtigt ist. Blos kurze Andeutungen über alle gemeinnützige Zweige des menschlichen Wissens sollen hier für diejenigen, statt finden, welche theils in der Geschwindigkeit Belehrung, theils aber auch nur Nachweisungen oder gleichsam Zurückrufungen ins Gedächtnis über Dinge wünschen, die ihnen zwar bekannt sind, aber in dem Augenblicke nicht schnell genug beifallen, wo dann eine leise Andeutung ihnen sofort wieder den entfallenen Faden zur Hand reicht. — Noch einmal sei es gesagt: Vollständige systematische Kenntnisse können hier unmöglich gewährt werden.
Ueber zwei Punkte muß ich jedoch noch mich gegen die Leser erklären, um nicht einer auffallenden Ungleichheit bezüchtiget zu werden: 1) über die gänzliche Hinweglassung aller geographischen Artikel. Daß die größeren umfassenden Notizen über ganze Staaten, Reiche, Städte &c. in jedem geographischen Handbuche zu finden sind, wär schon ein Entschuldigungsgrund; aber schwerlich können auch die weitläufigen geographischen Exkursionen für die meisten Leser so wichtig erscheinen, daß sie, die doch kein Universal-Lexikon in die Hände nehmen wollen, darüber ihren Wunsch, nur mit dem Vorzüglichsten, dem Wissenswürdigsten näher bekannt zu werden, zu vielen Bänden ausgedehnt sehen sollten. Außerdem gehört in dem an ungeheuern Ereignissen so schwangern Zeitpunkte, bei dem steten Wechsel der Länder und ihrer Herren, bei den daraus nothwendig hervorgehenden Neuerungen und Veränderungen, eine geographische Bestimmtheit zu den Unmöglichkeiten der gegenwartigen Periode. Noch einen Grund der Entscheidung mehr nimmt der Herr Verleger auf sich, welcher für das geographische und statistische Fach ein besondres lexikographisches Werk bearbeiten zu lassen gemeint ist, welches zugleich für die etwa hier leer gelassenen Leser die beste Zuflucht gewahren wird. — 2) Die Uebergehung gewisser merkwürdiger noch lebender Personen dürfte allerdings tadelhaft scheinen, wenn nicht bei den Lesem selbst vorausgesetzt werden könnte, daß auch sie das Zartgefühl ehren, welches so manche Rücksichten zu beachten gebietet, die man jenen schuldig ist. Ausnahmen bei Helden des Tages, welche die Welt anstaunt und dann — bei Künstlern, über welche außerdem Freunde der Kunst ganz im Dunkeln bleiben, finden die Leser gewiß verzeihlich.
Das Ganze des gegenwartigen Hülfs - Wörterbuchs wird in Vier Abtheilungen, deren Erste sich hier zur Probe darstellt, erscheinen. Es ist nicht bloße Redensart — die leider immer mit leeren Versprechungen auf gleiche Stufe gestellt wird —, daß die folgenden Abtheilungen in ununterbrochener Reihe bis zur Beendigung erscheinen werden: es ist wohl berechneter Plan, nach welchem das Ganze ohne Störung fortgeht, dessen einzelne Erscheinungen aber blos von dem Herrn Verleger zu desto leichterer Anschaffung gewählt worden sind.
Ueber die zur Ersparung des Raums gewählten Abbreviaturen braucht es keiner weitläufigen Erklärung: die meisten erklären sich schon von selbst und andre (z. B. Arzk. für Arzneikunst ; Bk. f. Baukunst; Bgwk. f. Bergwerkskunde; Rtsw. f. Rechtswissenschaft &c.) sind leicht zu entziffern. Nur die Bemerkung stehe noch hier, daß meistentheils — einzelne Fälle sind in den ersten Bogen hie und da übersehen worden — da, wo ein fremdes Wort in seiner wahren ursprunglichen Form ausgeführt wird, es mit lateinischen Lettern angegeben; da aber, wo es durch Beugung oder Abänderung in unsre Sprache übergetragen ist, es deutsch, jedoch mit Angabe der fremden Sprache, aus welcher es genommen, und zwar durch ( ) angedeutet worden. Auch für möglichst genaue Berichtigung der Druckfehler, deren Vermeidung bei solch einem Werke fast unmöglich ist, wird die größte Sorgfalt angewendet werden.
Leipziger Jubilate-Messe 1813."
S. III-VIII.
