Enzyklothek
Cover für Anleitung zu den fürnehmsten Historischen Wissenschaften

Hederich, Benjamin

Anleitung zu den fürnehmsten Historischen Wissenschaften

Benanntlich Der Geographie, Chronologie, Genealogie, und Heraldica, Der Historia Universali, Notitia Auctorum, Den Römischen Antiquitäten, und der Mythologie. So fern solche einem politen Menschen, insonderheit aber denen, so die Studia zu prosequiren gedencken, nützlich und nöthig
M. Benjamin Hederich, Rect. Schol. Hayn.
Berlin; Meyer 1709

Sprache

  • deutsch

Normdaten (Autor/in)

Literaturhinweise

Inhaltsverzeichnis

Vorrede

"Geneigter Leser, es stellet sich dir hiermit ein Buch ftr Augen, welchem du veröffentlich um so viel eher eine Stelle unter so viel hunderten, die jährlich ediret werden, vergönnen wirst, je weniger ich solche von dir, meiner ersten Intention nach, für dasselbe auszubitten willens gewesen bin. Denn ob ich es wohl also fort, beym ersten Entwurffe, zum Drucke destiniret; so hat doch solches auf keine andere Art geschehen sollen, als wie ich es mit meiner Anleitung zu den fürnehmsten Mathematischen Wissenschafften zu Wercke gesetzet, nehmlich auf eigene Kosten und bloß zu meinem und meiner Untergebenen Privat-Behuffe. Nachdem ich aber auf gleiche Art nicht nach Wunsche damit reussiren können, ob wohl der Anfang darvon auch bereits mit einigen Bogen gemacht gewesen, habe ich meinen Entschluß wider Willen ändern, und im Buch-Laden öffentlich mit müssen auslegen lassen, was sich sonst gleichsam nur incognito unter den Büchern mit aufhalten solte. Inmittelst aber hoffe ich doch, es solle auch des öffentlichen Lichtes nicht so gar allerdings unwürdig seyn. Denn, ob ich wohl nichts weniger zu thun gesinnet bin, als es selbst jemand einzuloben: dennoch, wie die Contenta ihren Werth für sich selbst mainteniren: also hoffe, daß auch die Abfassung derselben nicht allen mißfällig seyn soll. Denn einmahl habe ich mich bemühet, die Principia von ein sieben, bis acht Wissenschafften in ein gar parables Buch zusammen zu bringen, welche sonst ein Studirender erst wenigstens in eben so viel besondern Büchern suchen, und, da es sich dieselben anzuschaffen, unter zehen kaum eines Werck ist, doch auch dieser noch die incommodität darbey wird haben müssen, daß sie ihm zum täglichen Gebrauche,und stetem Nachschlagen bey fast allen andern Lectionibus, so wohl mit ihrer Menge, als auch Größe, allerdings beschwehrlich und unbequem fallen.
So dann habe ich mir angelegen seyn laßen, bey solcher Kürtze doch auch nicht bloße Sciagraphien der Dinge zu entwerffen, sondern durchgehends mit einzubringen, was für das remarquableste, und einem Anfänger dieser Studien am nöthigsten und nützlichsten zu seyn erachtet. Solches zu praestiren habe ich überhaupt eine Methode erkieset, da an statt unnöthiger Fragen, oder leerer Connexionen allemahl etwas reeles setzen können. Insonderheit aber habe ich in der Geographie, als welche mir unter allen sieben Theilen am weitläufftigsten werden wolte, nach dem Exemvel des sonst beliebten Frantzosens, Guil. Marcelli, bloß mit so viel Characteribus exprimirt, was sonst kaum mit so viel gantzen Zeilen geschehen können. Wie aber meine Intention keines weges ist, daß sich ein Studirender hieran soll begnügen lassen, sondern ich jedwedem selbst das Plus Ultra bester massen recommendire; also habe beydes in den Vorberichten über jeden Theil, als auch in der mit eingerückten Schulbibliothec eines Studirenden so viel taugliche Auctores nahmhafft gemacht, als durchgehends etwas, ich will eben nicht sagen, vollkommenes, doch suffisantes zu thun, gnungsam zulänglich seyn können.
Drittens habe ich mich der Teutschen Sprache bedienet, um sowohl denen zu statten zu kommen, die einen und den andern Theil bereits nicht ohne guten Nutzen mit tractiren können, ob sie wohl der Lateinischen Sprache noch nicht machtig seyn; als auch, weil ich nicht wohl für möglich gehalten, bey fürgenommener Kürtze, zugleich überall so deutlich zu seyn, daß nicht auch ein in der Latinität ziemlich geübter sich über einige Obscurirat zu beklagen, Ursache finden mögen.
Endlich, da auch nicht allein zum mehrem Theil die gantzen Capita und Paragraphos in einer Construction fortgeführet, und deren membra mit auf ein ander folgenden Ziffern zusammen gehänget; sondern auch die Zeilen, so viel nur seyn wollen,abgesetzet, und durchgehends die Schrifften bestmöglichst wechseln lassen; hoffe ich dadurch denen Lernenden einen guten Vortheil gegeben, und alles üm ein merckliches leichter gemacht zu haben, als wenn es ohne diese Dinge abgefasset worden. Allein es ist mir auch insonderheit dabey begegnet, was allen Auctoribus zu begegnen pfleget, wenn sie nicht in loco seyn und die Correctur von einem Wercke, wie gegenwärtiges ist, selbst versehen können, nehmlich daß es ohne alle Irrthümer und Druckfehler nicht abgegangen ist. Indeßen habe ich alle, so mir fürgekommen und etwas betragen, am Ende mit angemercket, damit solche ein jeder zum voraus weqthun, und so dann desto sicherer gehen könne. Solle aber doch bey obliegender Eilfertigkeit noch einige übersehen, oder auch in einem und dem andern selbst geirret haben, wie ich mich denn hiervon, als etwas menschlichem, nicht ausnehmen kann, so wirst du deswegen deine Censur um so viel weniger mit beißendem Eßige, oder herber Galle anmachen, je mehr auch du für einen Menschen wilst gehalten seyn. [...] Lebe wohl!"