Enzyklothek
Cover für Volks-Universal-Lexikon

Dennert, Eberhard

Volks-Universal-Lexikon

Ein Nachschlage- und Belehrungsbuch für alle Fälle und Lagen des täglichen Lebens
Unter Mitwirkung von Fachgelehrten herausgegeben von Dr. phil. E. Dennert
2 Bände
Berlin; Meyer 1900

Sprache

  • deutsch

Einheitssachtitel

Paralleltitel

  • Dennert's Volks-Universal-Lexikon
  • Dennert's Konversations-Lexikon
  • Neues Konversations-Lexikon

Normdaten (Autor/in)

Literaturhinweise

Bandeinteilung

Bd. 1. A - Hansen. 1900
Bd. 2. Hanslick - Zyklon. 1900

Vorwort

Ein neues Konversationslexikon! Woher nehmen wir die Kühnheit, neben anderen, weit verbreiteten und viel gepriesenen Werken auf den Plan zu treten? – Nun, vor allem aus der Thatsache, daß unser Volk heute nach Bildung hungert und daß ist Pflicht ist, den Brüdern zu helfen, welche durch ihre soziale Lage verhindert sind, sich schon in der Jugend eine ihren Wünschen entsprechende Bildung anzueignen. Für unsere Zeit, in der jeder täglich seine Zeitung liest und die, Welt- und Zeitenläufe verfolgt, ist für diesen Zweck die Form des Konversations-Lexikons mit ihrer gedrängten Kürze, welche schnelle Belehrung gestattet, das einzig Wahre. – Befriedigen denn nun aber die schon vorhandenen Konversationslexika nicht das Bedürfnis? Diese Frage glauben wir verneinen zu müssen. Man werfe nur mit dem Gedanken an ein Volksbildungsmittel einmal einen Blick auf die heute im Umlauf befindlichen, kleinen Konversationslexika – mit den größeren wollen wir selbst selbstredend nicht in Wettbewerb treten –, da fallen neben vorzüglicher äußerer Ausstattung drei wichtige Punkte ins Auge: 1. sie enthalten eine ungeheure Menge von Stichwörtern, welche zum sehr großen Teil im täglichen Leben weitester Kreise sicherlich niemals vorkommen; 2. die wirklich wichtigen und die Teilnahme des Lesers erregenden Stoffe sind daher meist zu knapp behandelt; 3. die Sprache ist sehr oft eine gelehrte, voll von technischen Ausdrücken. Also: es wird auf Kosten des Notwendigen ein Ballast von Unbrauchbarem mitgeschleppt. – Gegenüber diesem offenbaren Mangel ist doch wohl der Versuch gerechtfertigt, ein wirklich volkstümliches Lexikon zu schaffen, indem jedermann schlicht und verständlich Belehrung über das findet, was er im täglichen Leben der Gegenwart wirklich wissen muss und will.
Zu dem Gesagten kommt noch etwas anderes hinzu. Wir, die wir uns zu diesem Versuch zusammengethan haben, sind der festen Überzeugung, dass eine gesunde Durchbildung unseres Volkes auf dem Boden der christlichen Weltanschauung erfolgen muß. Es gilt dabei nachzuweisen daß wahre Bildung und wahres Christentum keine Gegensätze sind. Darum also wagen wir es nun, mit einem neuen Konversationslexikon an die Öffentlichkeit zu treten. Wir nennen es Volks-Lexikon, weil es sich an das ganze Volk wendet, nicht nur an die Wohlhabenden und Gebildeten; wir nennen es Universal-Lexikon, weil es eben nicht nur ein einzelnes Gebiet sondern alle Fragen des täglichen Lebens behandelt.
Die Richtungen, in denen wir unser Werk ausbauten, sind demnach folgende:
Wir beschränkten uns auf das wirklich Nötige und ließen alles Entbehrliche fort, so z. B. die zahllosen medizinischen und naturwissenschaftlichen Fremdwörter als Stichwörter, sowie die Ortschaften unter 2000 Einwohnern, die keinerlei besondere Bedeutung für vaterländische Geschichte, Industrie u. s. w. haben.
Dadurch erhielten wir Platz und konnten die wichtigeren Artikel bedeutend länger machen, als sie in ähnlichen Werken sind. So dürfen wir wohl sagen, dass dieselben trotz aller Gedrängtheit in ihrer Art wirklich unterrichtend sind.
Wir befleißigten uns einer wirklich volkstümlichen und verständlichen Sprache, besonders durch Ausmerzung aller entbehrlichen Fremdwörter.
Wir richteten unser Hauptaugenmerk auf die Gebiete, die dem Volk und der Gegenwart, am wichtigsten erscheinen, nämlich:
a) das Soziale und Nationalökonomische; b) das vaterländisch Wichtige; c) das Technische, Gewerbliche und praktisch Wichtige; d) das für die Weltanschauung Bedeutsame; e) die Naturwissenschaften.
Abgesehen von dem Gesagten sei noch bemerkt, daß wir uns bestrebt haben, überall mit dem Dargebotenen auf der Höhe der Zeit zu stehen und auch mit der äußeren Ausstattung unseren viel günstiger gestellten Vorgängern gleich zu kommen. Ferner versuchten wir möglichst zusammenhängende Darstellungen zu geben, und wirklich zu belehren, durch viele Verweise auf umfassendere Artikel ist dies ermöglicht. Bezüglich der Verweise sei noch nachdrücklich darauf hingewiesen, dass bei zusammengesetzten Wörtern fast immer das eigentliche Stammwort aufzusuchen ist, so suche man alle Steuerarten sofort bei „Steuer“ will man etwas über „Blutfink“ wissen, so suche man sofort bei „Fink“, wo man auf „Gangvögel“ verwiesen ist u.s.w.. Ganz allgemein war dies natürlich nicht durchzuführen; aber wenn man irgend ein Stichwort nicht findet, dann denke man vorerst hieran.
Die lat. Buchstaben hinter den Artikeln bezeichnen den Verfasser, derselbe ist aus dem Mitarbeiterverzeichnis am Schluß des Werkes leicht zu erkennen.
Wir haben ferner, wenigstens auf einigen Gebieten, wo es sich leichter machen ließ, die Artikel so angelegt, daß es möglich ist, sich durch sie über das ganze Gebiet zu unterrichten. So lese man z. B. zuerst den Artikel „Botanik“ und wird dann immer weiter gewiesen werden, durch das ganze Gebiet der Botanik hindurch. Überall war dies in dieser Auflage noch nicht möglich.
Manches wird vielleicht anders gewünscht werden, als es ist. So ist die große Zahl der Abkürzungen (ein Verzeichnis derselben befindet sich am Schluß des Werkes) ein Notbehelf, (wieder um Platz zu sparen), den wir lieber vermieden hätten. Wir hoffen aber, daß sich diese Unbequemlichkeit bei fleißigem Gebrauch des Buches weniger bemerklich machen wird. Auch ist es bei der gewaltigen Stoffülle, unter völlig neuen, von ähnlichen Werken unabhängigen Bearbeitung, besonders auch der Verweissysteme, unmöglich gewesen, jetzt bei der 1. Ausgabe gleich alles so zu erledigen, wie wir es wünschten, zudem stellten sich gerade in den Verweisen im Laufe der Arbeit einige notwendige Änderungen heraus. In einem Nachtrag haben wir diese Änderungen, Zusätze und einige Druckfehler mitgeteilt, wir bitten dringend, dieselben, vor dem Gebrauch des Buches ein- bezw. nachzutragen.
Da wir uns bewusst sind, in manchem Punkte hinter unseren hohen Zielen, trotz redliche Mühewaltung, zurückgeblieben zu sein, so ist es ganz natürlich, dass wir alle Freunde unseres Werkes, und dazu rechnen wir jeden Abnehmer, recht herzlich bitten, an seinem Teil mitzuarbeiten, damit unser Lexikon immer mehr zu dem werde, was es sein und werden will, zu einem wahren Volks- und Hausfreund in allen Fragen und Lagen des Lebens. Wem also etwas auffällt, wer ein ihm im täglichen Leben vorkommendes Stichwort, daß der Erklärung und Besprechung wert erscheint, im Lexikon nicht findet, wer etwas anderes haben will oder etwas besser weiß – irren ist ja menschlich – wer vor allem an den praktischen Winken etwas unpraktisches entdeckt bezw. praktischere weiß, der scheue die kleine Mühe nicht, sondern teile es dem Herausgeber alsobald mit. Derselbe ist für jede Mitteilung dankbar und jedem Wunsch zugänglich. Alle derartigen Winke werden eingetragen werden, aber man erwarte nicht immer eine eigenhändige Antwort. Denn solch ein Herausgeber ist ein geplagter Mann, dessen Zeit ein kostbar Dinge ist, er dankt daher schon jetzt allen, die bisher Mitteilungen machten, und denen er unmöglich allen schreiben konnte.
Aber, damit ein derartig umfassendes Werk zustande kommen kann, müssen sich viele fleißige Hände regen, und wenn es nicht so viele solche gegeben hätte, dann wären wir noch lange nicht so weit. Ihnen sei an dieser Stelle wärmster Dank gesagt: Dank den treuen Männern, die so freudig hinter diesem Buch gestanden haben, deren Rat und That es ermöglichte, die Herausgabe zu wagen; – Dank all den treuen Mitarbeitern, welche die Mühe nicht scheuten – und es ist wirklich keine kleine Mühe und oft gar selbstlos – ihr reiches Wissen in so engen Raum zusammenzupressen und in gedrängter Form darzubieten; – Dank auch allen Freunden, die so eifrig in Stadt und Land geworben haben, möge dies Werben auch ihnen allen nur Dank eintragen von denen, für welche unser Buch Freund und Ratgeber sein will. Besonderen Dank auch noch dem rührigen Herrn Verleger, der kein Opfer scheute, um dem Lexikon eine gute Ausstattung und ein würdigeres Gewand zu geben.
Und nun wandere in die deutsche Welt hinaus, Du liebes Buch, an dem wir 2½ Jahre mit Sorgen und Mühe, mit Liebe und Eifer gearbeitet haben. Ziehe deine Kreise immer weiter von Haus zu Haus, und wo du einkehrst, da werde ein wahrer Volksfreund, der dem Suchenden Wahrheit, dem Zweifelnden Licht, dem Leidenden Rad spendet. Wenn du das in vielen Häusern und in vielen Herzen erreichst, dann ist der sehnliche Wunsch erfüllt, der uns bei dieser Arbeit beseelte: mitzuarbeiten an der Seele des Deutschen Volkes und sie durch die sittlichen, religiösen und sozialen Nöte unserer unruhevollen Zeit hinzuführen zu echter Bildung und ewiger Wahrheit.
Godesberg, evang. Pädagogium, November 1900.
Dr. phil. E. Dennert.“