Gemeinnüziges Lexikon für Leser aller Klassen
Besonders für Unstudierte. Oder kurze und deutliche Erklärung der, sowohl in den vornehmsten Wissenschaften und Künsten, als in gesellschaftlichem Umgange gebräuchlichen Redensarten, Ausdrücke und Kunstworte &c. in alphabetischer Ordnung
Von Johann Ferdinand Roth, Diakon bey St. Jakob
Nürnberg; Six 1788
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Language
- german
Uniform title
Parallel title
- Johann Ferdinand Roth, Diakons bei St. Jakob, gemeinnütziges Lexikon für Leser aller Klaßen
References
Volume division
Bd. 1. A - K. 1788
Bd. 2. L - Z. 1788
Vorrede.
Bekanntlich wird seit einigen Jahren auch in Oberdeutschland die Lektür immer allgemeiner, welche ich selbst, in meinem engen Wirkungskreiße, zu befördern suche. Oft hörte ich aber die Klage, daß die Schriftsteller fast eine eigne Sprache führten, indem sie häufig solche Kunstworte und Ausdrücke gebrauchten, die aus andern Sprachen entlehnt sind. Diese Gelehrten-Sprache – wenn ich anders die Sache mit dem rechten Nahmen bezeichne – erschwehret nun dem gemeinen Manne sehr oft den wahren Sinn einer Sache oder einer Periode. Daher kommt es, daß die Bemühungen der heutigen Gelehrten, unter dem gemeinen Volke Aufklärung zu verbreiten, nicht den erwünschten Erfolg haben, ja, daß viele unter demselbigen, wegen der, für sie, unverständlichen Schreibart, von der Lektür nützlicher Bücher abgehalten werden. Es fehlet zwar nicht an Hülsmitteln, dergleichen fremde Kunstworte und Redensarten verstehen zu lernen; fast für alle Wissenschaften und Künste sind Verbal- und Real-Lexika vorhanden. Allein diese beschäftigen sich entweder nur mit einer gewissen Sprache, und handeln oft nur von einem einzelnen Hauptgegenstande, oder sie sind, wenn sie ins Allgemeine gehen, so weitläufig, und folglich so kostbar, daß sich die Wenigsten solche Werke anschaffen können.
Dem grösten Theile des lesenden Publikums fehlte es also noch immer an einem Buche, in welchem nicht nur alle, sowohl im gesellschaftlichem Umgange, als in wissenschaftlichen Aufsätzen, historischen Erzehlungen, Journalen, Zeitungen, Monatsschriften &c. vorkommende, aus fremden Sprachen entlehnte Ausdrücke und Redensarten, sondern auch die, in kirchlichen, politischen und häuslichen Gegenständen, besonders im Fache des Militaire, der Architektur, der Oekonomie und Industrie, der Naturlehre, der bildenden Künste, der Philosophie und anderer Wissenschaften gebräuchlichen Kunstworte und Terminologien, so kurz und deutlich als möglich erkläret sind, und das auch zugleich so wohlfeil wäre, daß es von Jedermann, auch von dem gemeinen Volke, leicht angeschaft werden könnte.
Aus dieser Ursache übernahm ich, auf Verlangen des Verlegers, die mühevoller Arbeit, das gegenwärtige Wörterbuch zusammenzutragen, um dadurch einem wahren Bedürfnisse unserer Zeit einigermaßen abzuhelfen. Ich gestehe gerne, daß noch mehrere Artikel seyn werden, welche für Unstudierte eine Erklärung bedürfen, als in den Zusätzen zu diesem Theile enthalten sind. In dem Anhange zu dem zweyten Theile werden vielleicht mehrere Zusätze folgen. Auch die Beyträge der Herren Rezensenten werde ich dankbar benützen. Wem manche Artikel vielleicht zu weitläufig scheinen möchten, der habe die Güte, sich zu erinnern, daß dieses Wörterbuch, vermöge des Titelblattes, für Leser aller Klassen bestimmt sey. Ob aber überhaupt die Ausführung im Ganzen dem Endzwecke entspreche – diese Entscheidung gehört vor das unbestechliche Tribunal des Publikums.
Die geographischen Artikel nahm ich in dieses Wörterbuch nicht auf, weil dieselbigen in des berühmten Herrn Prof. Jägers geographischem Zeitungs-Lexikon fast vollständig zu finden sind. Uebrigens verdanke ich auch diesem Lexikon manchen nützlichen Beytrag zu meiner gegenwärtigen Arbeit.
Die vorzüglichsten Werke, welche bei dieser Arbeit von mir benützt worden, sind folgende: die Frankfurtsche deutsche Encyclopädie, des Herrn D. Krünitz ökonomisch-technologische Encyclopädie, des Herrn Jacobsons technologisches Wörterbuch, Walchs philosophisches Lexicon vermehrt von Hennings u. a. m. Auch die deutsche Zeitung des verdienstvollen Herrn Rath Beckers zu Gotha gab mir manchen Stof dazu; nur bedauerte ich es, daß ich sie nur erst seit dem Jahre 1786. benützen konnte. Daher ich diese Gelegenheit ergreife, diese Zeitung dem Oberdeutschlande, und in diesem zunächst dem vaterländischen Publikum, angelegentlichst zu empfehlen, indem sie, in verschiedener Rücksicht, unter uns bekannter zu werden verdienet. Sie befördert nicht nur Aufklärung, sondern auch – was noch mehr ist – ächte Tugendliebe.
Außerdem, daß ich bey meiner Lektür deutscher Schriften auf fremde Redensarten und Ausdrücke aufmerksam war, muß ich mir dem verbindlichsten Danke die gütigen Beyträge einiger schätzbaren Freunde rühmen, welche die Güte hatten, mein Manuscript, ehe es in die Druckerey kam, kritisch durchzusehen, zu verbessern und zu vervollständigen.
Dem zweyten Teile, welche diesen bald möglichst nachfolgen soll, werde ich, außer dem nöthigsten Zusätzen und Verbesserungen, nicht nur ein Verzeichniß und eine Erklärung der gewöhnlichsten Abbreviaturen, sondern auch ein Register solcher ausländischen Wörter beyfügen, deren erstere Buchstaben anders ausgesprochen als geschrieben werden, (z. E. Schalousie f. Jalousie) damit sie nicht unter einem Buchstaben vergeblich aufgesucht werden.
Ich kann diese Vorrede nicht schließen, ohne noch zuvor das Publikum auf die Uneigennützigkeit des Verlegers aufmerksam gemacht zu haben, welcher denen, die nicht vorausbezahlt haben, jeden Theil für 45 Kreuzer oder zwölf ggrl. – ein gewiß höchst billiger Preiß für 33 1/4 enggedruckte Bogen! – abgeben will. Ich wünsche daher, daß seine Uneigennützigkeit durch einen desto stärkern Abgang einigermassen belohnet, und seine Absicht, die Ausbreitung einer erwünschten Aufklärung bey dem mindergelehrten Theile des Volkes zu erleichtern und zu befördern, erreichet werden möge.
Nürnberg im November 1787.
Der Verfasser.
Bd. 1 (1788)
