Handwörterbuch der Wissenschaften und Künste
Nach ihrer allmähligen Entwickelung bis zu ihrer gegenwärtigen Gestalt
Von Karl Heinrich Ludwig Pölitz, ordentlichem Professor des Natur- und Völkerrechts auf der Universität Wittenberg
1 Volume
Regensburg; Montag 1805
Language
- german
Keywords
Uniform title
References
Volume division
Bd. 1. A - H. 1805
(Mehr nicht erschienen.)
Vorrede.
"Indem ich dieses Wörterbuch der öffentlichen Beurtheilung vorlege, darf ich wohl den Gesichtspunct angeben, aus welchem ich es beurtheilt zu sehen wünsche. Ich vermißte nämlich, bei der gegenwartigen Unbrauchbarkeit der von Schwabe zuletzt besorgten Ausgabe des Jablonskischen allgemeinen Lexicons der Künste und Wissenschaften, so wie der Wörterbücher von Hederich, ein Handwörterbuch für den ersten Anlauf, in welchem der Studirende, der bei einem kurzzugemessenen Triennium nicht alle in unserm Zeitalter zu einer neuen Form gestalteten Wissenschaften hören ober für sich studiren kann, oder in welchem auch der Geschäftsmann, dem es durch seine Verhältnisse versagt wird, dem Fortstreben des Zeitgeistes zu folgen, über die gegenwärtige Form und Gestalt der Wissenschaften, besonders der philosophischen und der schönen, zu deutlichen Begriffen gelangen könnte; ein Handwörterbuch, durch welches er in den Stand gesetzt würde, eine Bibliothek von 4-500 Rthlrn. an Büchern zu entbehren.
Ein solches Handwörterbuch mußte nach meiner Meinung enthalten:
1) eine gedrängte aber doch vollständige Behandlung der philosophischen Wissenschaften. Es sollte nicht einem einzigen philosophischen Systeme ausschließend gewidmet seyn, sondern sich, mit gleicher Neutralität gegen alle, über alle verbreiten, so daß bei dem Namen der Stifter derselben, das System aus dessen Hauptschriften (ohne beigefügtes Urtheil) ausgezogen würde, damit der Studirende sich sogleich wenigstens in den Stand gesetzt sähe, sich etwas bestimmtes dabei zu denken.
2) eine gedrängte und vollständige Darstellung der wichtigsten historischen Begebenheiten. Man wünscht oft eine bestimmte Nomenklatur der wichtigsten Thatsachen und der Regentenfolge in einem Staate zu haben; aber man muß deshalb viele und verschiedene Bücher nachschlagen, hier sind alle seit 476 n. C. entstandene europäische Staaten, mit einer kurzen Angabe ihrer Regenten und ihrer wichtigsten inneren und äußeren Vorgänge aufgeführt.
3) Eine gedrängte Darstellung der wichtigsten neuern geographischen Veränderungen, wovon manche selbst in einigen schätzbaren neuern geographischen Schriften nicht völlig angegeben sind.
4) Eine gedrängte Darstellung der Aesthetik, d. h. der Künste und der schönen Wissenschaften nach ihrer gegenwartigen Gestalt. Unsre Aesthetik befindet sich noch in einem Zustande der Krisis; Gottsched und Sulzer u. a. reichen in Hinsicht auf die Bezeichnung der ästhetischen Begriffe durchaus nicht mehr aus; hier ist der Versuch geschehen, die Künste überhaupt, besonders die redenden, die den Gelehrten zunächst interessiren, nach Begriffen darzustellen, die einen Mittelweg zwischen der Excentricität der neuen Schule und der veralteten Baumgartenschen Form halten.
5) Eine verhältnißmäßig kurze Darstellung der sogenannten Facultätswissenschaften, d. h. so viel davon, als für einen deutlichen Begriff von den theologischen Wissenschaften für den Juristen und Mediciner; für einen deutlichen Begriff von den juristischen Wissenschaften für den Mediciner und Theologen; und für einen deutlichen Begriff von den medicinischen Wissenschaften für den Theologen und Juristen unentbehrlich ist.
6) Eben so sind die mathematischen Wissenschaften und besonders die Physik, nach allgemeinen Umrissen aufgestellt; die Naturgeschichte aber ist in ihrem Detail ganz ausgeschlossen worden, weil sie das Buch dem Umfange nach zu sehr erweitert haben würde.
7) Die Darstellung der wichtigsten und ausgezeichnetesten Gelehrten in allen Fächern des menschlichen Wissens, so wie die Angabe ihrer vorzüglichsten und auf die Ausbildung und Fortführung der einzelnen Wissenschaften vorzüglich Einfluß habenden Schriften, durfte aber hier nicht fehlen. Eine vollständige Literärgeschichte, in der auch minder berühmte Namen nicht fehlen dürfen, gehörte nicht hieher; eben so konnten nicht alle ältere oder kleinere und unbedeutendere Schriften berühmter Männer hier aufgeführt werden. Für die ältere Literatur sind Jöcher, Adelung, Ladvokat. Hamberger, Bouginé, Hirsching, Grohmann, und die Literärgeschichten von Gundling, Stolle, Fabricius, Heumann, Meusel, Wachler, Eichhorn, Wald, Denis, Wahl, Dahlen, Büsching, Bruns, Meusels Lexikon der Verstorbenen, Bauer, Meusels Bibliotheca historica, die verschiedenen Geschichten der einzelnen Wissenschaften von Brucker, Buhle, Tiedemann, Sprengel, Plank, Schröckh, Meiners, Tennemann, Stäudlin, Eberhard, Kästner, Fischer, Gmelin, Bouterweck, Fiorillo, Forkel, Heeren, und für die itzt lebenden, besonders teutschen Gelehrten, Meusels gelehrtes Teutschland, mit den Nachtragen und die acht Meßkataloge von 1801 — 1804, die im Meusel fehlen, so wie Heinsius Bücherlexikon und Ersch Repertorium benützt worden. Mythologie, worüber unmittelbar brauchbare Lexika vorhanden sind, ist ganz ausgeschlossen worden.
Brauchbarkeit für Studirende, Geschäftsmänner und minder bemittelte Gelehrte, Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit der Materien — dürfte man wohl hier am wenigsten vermißen.— Obgleich zwölfjährige Sammlungen für meinen eignen Bedarf in den Wissenschaften und der Literatur darin niedergelegt und verarbeitet sind; obgleich viele Artikel eine wiederhohlte Bearbeitung erhalten haben; so bescheide ich mich doch, daß man mir noch manchen Fehler nachweisen wird. Ich bin aber überzeugt, daß ich that, was in den Kräften Eines Mannes stand, wodurch in das Ganze der Behandlung mehr Einheit und Proportion kommt, als wenn mehrere Gelehrte sich zu einem solchen Unternehmen vereinigen. Ueber das Mehr und Weniger in der Bearbeitung der einzelnen Artikel werde ich nie streiten, weil dies von subjektiven Ansichten abhängt; auch maße ich mir nicht an, dem Literator im höhern Sinne des Wortes etwas Neues zu sagen. Nur glaube ich die Genauigkeit meiner literarischen Angaben in den meisten Fallen verbürgen zu können.
Der zweite und dritte Theil, die das Ganze beschließen, erscheinen in Kurzem, und dann erst wird man ein völlig richtiges Urtheil über den von mir festgehaltenen Plan fällen können, so wie auch diejenigen kritischen Urtheile mir am willkommensten seyn werden, die mich nach dem, was ich leistete und leisten wollte, und also nach meinem aufgestellten Gesichtspuncte, behandeln als die, welche mich nach einem Plane beurtheilen, den sie sich entworfen, und nach welchem sie mich messen.
Die bei der Entfernung von dem Druckorte eingeschlichenen Druckfehler werden am Ende des Schlußtheiles beigebracht werden.
Wittenberg, den 25. März, 1805.
Pölitz."
S. V–X.
