Enzyklothek
Cover für Kürschners Universal-Konversations-Lexikon

Kürschner, Joseph

Heilborn, Adolf (ed.)

Kürschners Universal-Konversations-Lexikon

Herausgegeben von Hermann Hillger
Berlin; Hillger 1922

Language

  • german

Parallel title

  • Kürschners Universal-Konversations-Lexikon

Authority Data (Author)

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Vorwort zur sechsten Auflage.

Der wird stets das Beste missen, wer nicht borgt, was andre wissen. (Rückert)
Bücher haben ihre Schicksale, und vom Schicksal des „Kürschner" will ich hier erzählen.
Ein glückliches Ungefähr führte mich, als ich 1894 nach jahrelanger Abwesenheit aus dem Auslande heimkehrte, zu Josef Kürschner nach Eisenach. Er war mit Vorarbeiten für sein Lexikon beschäftigt, hatte aber noch keinen Verleger dafür. Ein Wort gab das andere, und ich entschloß mich, den Verlag dieses Lexikons zu übernehmen. Im 22. August 1894 begann die eigentliche Redaktionsarbeit Kürschners und zugleich meine Propagandatätigkeit. Bereits am 7. Dezember desselben Jahres kamen weit über 100000 Exemplare des Lexikons zum Versand; eine geistige Arbeit, die wohl so leicht jemand Kürschner nachmacht, und eine Musterleistung deutscher Gewerbetätigkeit, wenn man bedenkt, daß 10 Eisenbahnladungen Papier hergestellt, gedruckt und eingebunden werden mußten. Und was kostete damals ein solches Buch? Die mir vorliegenden Berechnungen muten heute wie ein Märchen aus längst vergangener Zeit an.
Der Absatz war über alles Erwarten groß: 100000 Bände dieser ersten Ausgabe blieben in Deutschland, aber auch das Ausland zeigte lebhaftes Begehren nach diesem billigsten Lexikon der Welt . Und so faßte ich den Entschluß, 1895 mein Glück in Nordamerika, das mir von meiner früheren Tätigkeit her genauer bekannt war, zu versuchen und ließ eine deutsch-amerikanische Ausgabe erscheinen. Wir lieferten das Lexikon frachtfrei Neuyork mit sage und schreibe 60 Cent = 2.50 Mk. einschließlich Kiste mit Zinkeinsatz. Solch eine Miste, die allein heute 180 Mk. kostet , bezahlte ich damals mit 10 Mk. Die Fracht ab Leipziger Haus bis in den Hafen von Neuyork kostete für 100 Kilo = 100 Bde. 4.20 Mk. Heute würde die gleiche Sendung nach Neuyork wenigstens 250 Mk. kosten. So haben sich die Verhältnisse geändert.
Ein neues Wunder deutschen Geistes, deutscher Gewissenhaftigkeit und deutscher Technik ist auch die neue Auflage. Daß dieser erprobte Ratgeber und Freund von Millionen Deutscher auch diesmal wieder allen Anforderungen an Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit genügen wird, danke ich in erster Linie dem unermüdlichen Dr. Adolf Heilborn, der sich als wahrer Polyhistor erwies und die gewaltige Arbeit der Hauptredaktion in 6 Monaten erledigte, eine Frist, bei der er natürlich den Original-Acht- Stunden-Arbeitstag jedesmal verdoppeln mußte. Ich verdanke ihn der eifrigen und freudigen Mitarbeit der Hunderte von Helfern, die, die einzelnen Disziplinen und Abteilungen durchackerten und durch ihre sachkundige Mitarbeit zum Gelingen des Werkes beitrugen.
Auch der neue Kürschner ist nach den Grundsätzen bearbeitet worden, die sein Schöpfer bei der ersten Ausgabe aufstellte:
er soll das Suchbedürfnis aller Bildungskreise befriedigen
und nach Kürschners bewährtem Leitspruch der Zeit dienen.
Solche Vollkommenheit konnte dieses Universal-Lexikon nur erreichen durch die dankenswerte Mitarbeit der Tausende treuer Leser und Benützer, an die ich auch heute wieder die herzliche Bitte richte, nicht nachzulassen in ihrer hilfreichen Mitarbeit am Gelingen dieses Kulturwerks, und Verlag und Redaktion zu unterstützen durch Mitteilung wünschenswerter Änderungen und etwa trotz aller Sorgfalt übersehener Mängel.
In Deutschlands schwerster Schicksalszeit geht diesmal das Buch hinaus in die Welt. Möge es wiederum Hunderttausenden die jetzt besonders schwere Arbeit erleichtern, und möge es der nächsten Ausgabe vergönnt sein, von neuen Erfolgen deutscher Kunst und Wissenschaft, deutschen Gewerbefleißes und deutscher Arbeit in Stadt und Land zu künden, von einem segensreichen Hand-in-Hand-Arbeiten aller Bevölkerungsschichten Deutschlands zu berichten und festzustellen, das Deutschland wieder seinen alten Ehrenplatz eingenommen hat im Rate der Völker.
Berlin, den 18. Oktober 1921
Hermann Hillger