Enzyklothek
Cover für Deutsche Taschen-Encyklopädie

Hasse, Friedrich Christian August (ed.)

Deutsche Taschen-Encyklopädie

Oder Handbibliothek des Wissenswürdigsten in Hinsicht auf Natur und Kunst, Staat und Kirche, Wissenschaft und Sitte
In alphabetischer Ordnung. Vier Theile mit 50 Kupfern
4 volumes
Leipzig; Brockhaus 1816-1820

Language

  • german

References

Volume division

Vorerinnerung.

Es schien dem thätigen, die Bedürfnisse des Publikums immer sorgsam erwägenden Verleger des viel verbreiteten encyklopädischen Handwörterbuchs für gebildete Stände, oder des sogenannten Conversations-Lexicons*), unter so vielen Noth- und Hülfsbüchern, welche einzelne Gebiete des menschlichen Wissens umfassen, noch immer an einem „Alphabet des Wissens“ oder an einem Register der Hauptbegriffe und des Wissenswürdigsten zu fehlen, das so viel als möglich von der Schulsprache entkleidet, einfach, klar und gedrängt, mit Weglassung des Besondern, ohne jedoch bloße Nummenklatur zu sein, dem gegenwärtigen Standpunkte der deutschen Literatur gemäß, in alphabetischer Ordnung Alles enthielte, was für die Erinnerung und das weitere Nachdenken wichtig ist, um das Ganze des menschlichen Wissens in seinen Wurzeln zu erkennen und in seiner Verzweigung zu übersehen.
Das oben genannte Handwörterbuch befriedigt diese Bedürfnisse nur theilweise; auch ist es zu bändereich und zu kostbar, um allgemein so bequem und leicht benutzt werden zu können, als es an sich verdient. Dazu hat es, um die beträchtliche Masse der Gegenstände, welche in seinen Kreis gehören, in sich aufnehmen zu können, mit so kleiner Schrift und mit solcher Papier-Benutzung - was an sich bei diesem Werke sehr zweckmäßig ist - gedruckt werden müssen, dass es dadurch manchen Leser von dem täglichen Gebrauche abschreckt, und schwachen Augen fast und unzugänglich wird. Es muss nämlich, seinem Plane gemäß; viele Gegenstände enthalten, wie, außer der ältern, auch die neue und neueste Biographie, Tagesgeschichte, das Einzelne aus der Topographie, Statistik und Geschichte, welche sämmtlich außerhalb des Kreises liegen, den sich jetzt diese Taschenencyklopädie oder das Alphabet des Wissens gezogen hat. Dagegen übergeht das C. L. gewisse Fächer, wie specielle sogenannte Naturgeschichte, ganz; auch enthält es keine Kupfer, welche doch zur Erklärung vieler Gegenstände unentbehrlich sind. Endlich stellt es seine Gegenstände in ihrem ganzen Umfange dar, so weit nur dieser für die Unterhaltung der gebildeten Stände gedacht werden kann, ohne sich eben auf das Wissensnöthigste zu beschränken. Es konnte daher nicht angenommen werden, daß dasselbe ein Werk, wie es in der vorhin aufgestellten Idee gedacht wurde, entbehrlich mache.
Eine in England erschienene Taschen-Encyklopädie, welche daselbst in kurzer Zeit zwei Auflagen erlebt hat, Pocket Encyclopedia or a Dictionary auf art, sciences and Polite Literature, by Edw. Aug.. Kendal. Embellished with Copper Plates. Sec. Edit. In four Vol. London. 1811. 12°, schien dem Verleger den Weg zu zeigen, den die Redaction des von ihm gedachten Werks zu befolgen habe, um den Plan desselben in einem Raume von etwa vier mäßigen Bänden auszuführen. Auf den Beifall gestützt, mit welchem man in England, außer der genannten, mehrere nach einer ähnlichen Ansicht entworfene Encyklopädieen, z. B. die von Watkins, Polehempton, Gregory, Nicholson, Sally u. A. aufgenommen hatte, trug er daher dem Herausgeber die Bearbeitung einer „deutschen Taschen-Encyklopädie“ auf. Allein abgesehen davon, dass diese und andre Werke i- nsbesondere das Kendal‘sche, das nur von einem Gelehrten abgefasst, und meistens nichts als ein Auszug aus früher erschienenen Encyklopädieen ist - hinter dem Standpunkte unserer deutschen wissenschaftlichen Erkenntniß in vielen Stücken weit zurückgeblieben und im Plane, wie in der Ausführung auf brittische Leser berechnet sind, entsprach keins Aufgabe, die allerdings etwas Widerstrebendes vereinigt sehen will, die alphabetische Vereinzelung, welche das Finden erleichtert, mit der encyklopädischen Uebersicht des inneren Zusammenhanges des Ganzen, welche das Gefundene ordnet, zweckmäßig zu verbinden.
Der Herausgeber hat diese Schwierigkeit gefühlt. Er glaubt nicht, dass er sie ganz überwunden habe; doch hofft er, dass wohlwollende Beurteiler sein Bestreben, sie zum Theil zu beseitigen, nicht verkennen werden. Ueberzeugt von dem Nutzen einer solchen Elementar-Encyklopädie an sich, vereinigte er mit sich mehrere (an der Zahl jetzt 17), größtentheils auch als Schriftsteller rühmlich bekannte, Gelehrte und Künstler, unter die er die Hauptfächer - Wissenschaftslehre überhaupt, Philologie und Literatur, Philosophie und Kunst, Mathematik, Geschichte, Natur-, Länder-, Staaten- und Gewerbskunde, die angewandten Wissenschaften und die Fächer des positiven Wissens - vertheilte, so daß einige derselben verwandte Gegenstände, z. B. der Bearbeiter des mathematischen Faches die Kriegswissenschaften, der Bearbeiter der Naturlehre die Heilkunde, mit übernahmen, jeder aber die Übersicht sämmtlicher Artikel seines Faches mit dem Herausgeber gemeinschaftlich festsetzte. Nur in den positiven und einigen einzelnen Fällen traten, nachdem die Artikel bestimmt waren, mehrere Bearbeiter zugleich ein, weil dieß die Beschleunigung des Werks erforderte.
Sämmtliche Mitarbeiter haben sich mit dem Herausgeber darüber vereinigt, daß in Hinsicht auf Auswahl und Maß der Vollständigkeit, Alles was die wichtigsten Angelegenheiten des Menschen und Staatsbürger betrifft, was folglich innerhalb des Kreises der Humanität liegt, vorzugsweise berücksichtigt, in soweit also auch das Besondere aufgenommen wird; alles andere hingegen, wofür reichhaltigere Wörterbücher unentbehrlich und schon vorhanden sind, z. B. für Naturgeschichte, Geographie und Topographie, Mythologie und Alterthumskunde, Specialgeschichte und Biographie, Statistik, Cameralistik und Technologie, Verdeutschung der Kunstwörter und ähnliche Gegenstände, überhaupt endlich alles Positive, was nur den Geschäftsmann in seinem Fache, und alles Besondre, was nur den Gelehrten in seinen Studien berühren kann, ausgeschlossen bleibt. Nichts soll dagegen fehlen, was in eine allgemeine Formal-Encyklopädie und zu den Elementen der Wissenschaften gehört, folglich kein Grundbegriff und kein Haupttheil, der ein Glied in der Kette des Wissens ist; aus dem Reichthume des Wissens aber soll dasjenige vorzugsweise ausgewählt werden, was entweder allgemein wissenswerth und in jedem wichtig, allein im Gedächtnisse schwerer festzuhalten ist, wie physikalische, chemische, naturgeschichtliche, technologische Merkwürdigkeiten, oder was zu lebendigeren Einsicht in Hauptgegenstände des Wissens führen kann: mithin nicht bloß Grundzüge, Erinnerungen und Andeutungen, sondern auch, wo es erforderlich ist, Beschreibung des Wissenswürdigsten.
In Hinsicht auf die Form der Bearbeitung haben die Mitarbeiter und der Herausgeber, theils das Bedürfniß studierende Jünglinge beachtet, welchen es oft schwer wird, in den meisten Fächern des Wissens, die ihre Studien mit berühren, schnell die Hauptsache zu finden, theils den Wunsch wissenschaftlich gebildeter Geschäftsmänner berücksichtigt, die, um in keinem Fache der Geschmacks- und Geistesbildung fremd zu werden, nach einem Erinnerer sich umsehen, der ohne langes Suchen auf das Nöthige hinweist. Darum schien es Pflicht, bei den wichtigeren Gegenständen die besten neueren Schriften, auch ausländische, zu nennen.
Es kann nicht fehlen, dass jeder Leser nach einem verschiedenen Maßstabe dieses Taschenbuch in Hinsicht auf Auswahl, Maß und Form seines Inhalts beurteilen wird. Auch bescheiden sich die Verfasser und der Herausgeber, daß gegen die ebenmäßige wissenschaftlich formale Haltung des Ganzen sowohl, wie gegen das Einzelne, manche sich erinnern lassen dürfte. Allein fehlt es nicht überhaupt noch an einer richtigen Architektonik der menschlichen Erkenntniß? Möge wenigstens unser Bestreben, jedem, der fruchtbare Erkenntniß festhalten will, den notwendigen Hausbedarf überall, außer in dem Hauptfache, das er sich gewählt hat, dazubieten, uns die Nachsicht öffentlichen Beurtheilung verdienen!
Ein Blick auf dieses Taschenbuch und auf das Conversationslexicon wird jeden überzeugen, dass der Plan des ersteren, der, wie wir oben gezeigt haben, von dem des letztern weit entfernt liegt, sorgfältig im Auge behalten worden ist. Es finden sich daher in der Taschen-Encyklopädie viele Artikel, die in dem Conversationslexicon, und dieses enthält wiederum unzählige andere, welche in jenem fehlen mußten. Artikel aber, die in beiden sich finden, sind, wie sich bei einer flüchtigen Vergleichung sogleich zeigt, nach einem ganz verschiedenen Gesichtspunkte und nie von denselben verfassen bearbeitet.
Am Schlüssel des ganzen wollen wir uns über den Plan und die Ausführung unseres Taschenbuches noch weiter erklären, so wie sich dann auch der Herausgeber und die Mitarbeiter nennen werden. Die Kupfer, welche zur Versinnlichung wissenschaftlicher Erklärungen notwendig gehören, sind meistens aus neueren englischen Werken, wenige nur aus vorhin genanntem Kendal selbst, mehrere aus Blumenbach‘s Abbildungen, Mayer‘s anatomischen Tafeln u. a. nach vorgängiger Prüfung oder Berichtigung des Vorbildes, entehnt; einige davon sind neu entworfen, und alle von bekannten Künstlern gestochen. Die drei folgenden Theile werden nach und nach im Laufe des Jahres 1816 erscheinen, indem die Kupfer fast sämmtlich gestochen, und mehrere Fächer ganz bearbeitet, vor uns liegen. Dem Schlusse sollen encyklopädische Tafeln zur Verbindung der einzelnen Artikel aus den verschiedenen Fächern beigefügt werden.
Dresden, den 1sten Januar 1816.
Der Herausgeber.
*) Conversations-Lexicon oder enzyklopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. In 10 Bänden, von denen bis zum 1sten Januar 1816, 7 bis zum Q incl. reichend erschienen sind, und die 3 fehlenden von 6 zu 6 Monaten folgen werden. Jeder Bahn dieses Werks enthält 56 - 60 Bogen und so compendiös gedruckt, dass 54 Zeilen sogenannte Petitschrift auf die Seite gehen. Dennoch geltende Pränummerations-Preis auf das ganze von 10 Bänden ist zwölf Thlr. 12 gl. (22 fl. 30 Җr.) für Exempl. auf Druckpapier und 18 Thlr. 18 gl. (33 fl. 45 Җr.) auf Schreibpapier. Sammler, die sich direct an den Verleger wenden, erhalten auch bei diesem Werke auf 6 Exempl. das 7te frei. - Seit 1812, wo dasselbe seinen Anfang genommen, sind 10,000 Expl. davon abgesetzt worden, und ist vom 8ten Bande an die Auflage stärker, als vielleicht in Deutschland seit Erfindung der Buchdruckerkunst bei einem so bändereichen Buche, noch nicht Statt gefunden hat. Der so ganz auf die Zeitbedürfnisse berechnete Inhalt, die verständige Redaction und er so geringe Preis, wodurch auch diese - noch mit 50 Kupfern versehene Taschen-Encyklopädie sich empfehlen wird, lassen solches erklären.
Bd. 1 (1816), S. V-XII.