Gemüths vergnügendes historisches Hand-Buch für Bürger und Bauern
In welchem in Form eines kurtz gefaßten Historischen Lexici von allerley Ständen, Künsten, Handwercken und Wissenschafften, deren Urhebern und Erfindungen kurtze Nachricht ertheilet wird von Melissantes
Frankfurt am Main; Beumelburg 1744
Language
- german
Keywords
Uniform title
References
Vorbericht an den geneigten Leser.
Nicht nur die Kleider-Moden, sondern auch viele andere und nützlichere Dinge, auch selbst die Art des Vortrags, deren sich die Gelehrten in ihren Schrifften bedienen, sind der Veränderung unterworffen. So beliebt im vorigen Jahrhundert die in Tabellen abgefaßte, oder mit vielen aus den alten Kirchen-Vätern, und Profan-Autoren entlehnten Zierrathen geschmückte Bücher waren: So altvätelisch ist hingegen nunmehro diese Methode geworden,nachdem der eine Theil von den heutigen Gelehrten alle Bücher nach dem Leisten der mathematischen Lehr-Art, der andere Theil aber alle Wissenschafften in Form eines Lexici eingerichtet haben will.
Absonderlich hält man die letztere Art für das bequemste Mittel, viele Bücher zu ersparen, und dennoch eine uns unbekandte Materie in so viel Minuten zu finden, man sonst in andern Büchern kaum info viel Tagen beysasen antreffen, wie nicht weniger in kur BerZeit und mit geringer Mühe das Anfehen einer grossen Belefenheit er: langen könne. Daher ist es auch geschehen, daß in dem gegenwärtigen Jahrhundert mehrere Lexica zum Vorschein gekomen, als die gelehrte Welt in allen vorhergehenden Zeiten überhaupt gesehen; wie es denn nicht schwer fallen solte, bloß mit derselben Verzeichniß hier einen grossen Platz zufüllen, wenn es nöthig wäre. Insonderbeit aber sind darunter viele, welche in die historische Wissenschafften mit einschlagen, z. E. Adels- Kriegs- und Friedens-Antiquitäten- Haushaltungs- und selbst verschiedene historische Lexica.
Nun sind zwar solche guten Theils, und fürs nemlich die historischen an Materien so reich, daß auch Ungelehate vieles zu ihrem Nutzen und Vergnügen daraus nehmen können. Weil aber solche Bücher dem gemeinen Mann theils zu theuer, theils auch in so fern, daß er die für ihn dienliche Sachen erst lange heraus suchen soll, zu beschwerlich fürkomen; So hat man gegenwärtiges Hand-Buch in Form eines kurzgefaßten historischen Lexici,und mithin in alphabetischer Ordnung einrichten, und wenigstens Bürgern und Bauern damit zu statten kommen wollen.
Bey dergleichen Leuten findet sich offt mehr Begierde, das Gemüth mit einem historischen oder andern nützlichen Buch zu ezgőtzen als bey vielen Gelehrten und Fürnehmen, denen doch zu Gefallen alljährlich so viele Dutzent Journale, Memoires und Nachrichten im Druck geliefert werden, da hingegen mancher zumahlen auf dem Land lebender gemeine Mann ausser seinem guten Mordgeschichts-Calender für sich kein historisches Buch geschrieben weiß, womit er dem, wie allen Menschen, so auch ihm angebohrnen Trieb, etivas neues und mehrers, als ihm alle Tage bey seiner Handthierung fürkommt, zu erfahren, zuweilen eine Genüge thun könne, massen er gar selten das Glück und Vergnügen hat, ein Blatt von einer uralten Zeitung, oder von dem sogenannten Kohlbrenner und hinckenden Staats-Boten lesen zu hören, und dadurch sein neubegieriges Gemüth zu erquiden.
Da von den Urhebern und Erfindungen der Künste, Handwerken und Wissenschafften darinnen kurtze Nachricht gegeben wird: So kan es auch von Bürgern und solchen Personen, deren Erfenntniß etwas weitere Grentzen hat, mit Nutzen gelesen werden.
Nicht weniger können auch Personen von andern und höhern Ständen manches zu ihrer Lehre darinn finden, wenn sie es anders finden wollen, und ihnen die hier und da kürtzlich mit angebrachte Moral, wie nemlich der und jene Stand, nach der Vorschrifft des göttlichen Worts, wie auch der gesunden Vernunfft und natülichen Billigkeit, eigentlich seyn solte, nicht zu verächtlich, und geringfschätzig scheinet.
Daß nicht nur an denen Orten, wo etwas aus dem blinden Heydenthum und dessen lächerlichen Götzendienst hergeleitet wird, mehrentheils zugleich der Unterschied und Vorzug der christlichen Religion kürtzlich mit berühret, sondern auch hier und da ein wohlgemeintes Wort der Ermahnung und Erbauung beygesetzet worden, wird einem billigen Leser nicht mißfallen; Noch viel weniger wird derselbe ungedultig werden, wenn etwa der Druck, welcher an einem dem Verfasser entlegenen Ort geschehen, nicht allzu accurat besorgt seyn solte. Dabey bescheidet man sichs zum Voraus gar gern, daß es absonderlich denenjenigen, welche durch eine und andere in solchem Hand-Buch enthaltene widrige Wahrheit sich getroffen, und iedoch ohne unsere Schuld, beleidiget finden dürfften, etwas ganz leichtes seyn wird, an demselben verschiedenes auszusetzen und zu tadeln. Hingegen ist es uns noch was leichters, dieser Tadler wegen unbekümmert, und auch schon das mit zufrieden zu seyn wann wir wenigstens bey einem und dem andern Leser unsere redliche Absicht erreichen.
Zulekt ist noch zu erinnern, daß die Quellen und Schrifftstellen, woraus man einiges entlehnet, aus keiner andern Ursache, als bloß zu Erspahrung des Raums, selten angeführet worden, denn man hat sich derselben so, wie es unter den Gelehrten gar wohlerlaubt ist, bedienet; mithin darf niemand glauben, dieses Hand-Buch, weil es in Form eines kurtzgefaßten historischen Lexici eingerichtet, sey nur ein aus denen grossen historishen Lerixis genommener Auszug. Übrigens bleibe der geneigte Lefer gewogen
dem
Verleger.
