Enzyklothek
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Conversations-Lexikon für den Handgebrauch

Oder Hülfswörterbuch für diejenigen, welche über die beim Lesen sowohl, als in mündlichen Unterhaltungen vorkommenden mannichfachen Gegenstände näher unterrichtet sein wollen
Leipzig; Fleischer 1834

Language

  • german

Parallel title

  • Kleineres Conversations-Lexikon
  • Conversations-Hand-Lexikon
  • Conversations-Lexikon zum Handgebrauch

Vorwort

"So zahlreich auch die Bemühungen unserer heutigen Schriftsteller sind, den Geistesbedürfnissen ihrer Zeitgenossen entgegen zu kommen, so kann man doch bei dem immer mehr zunehmenden Drange nach höherer Geistesbildung, die sich fast über alle Stände verbreitet, gewiß annehmen, daß jener Hülfsmittel nicht zu viele sind. Daß für die Art, jene Bedürfnisse zu befriedigen, das zu Ende des vorigen Jahrhunderts erschienene Conversations-Lexikon den ersten Wegweiser abgab, das ist wohl nicht zu leugnen. Ohne aber hier umständlich aufzuführen, wie viel dasselbe seit der Zeit Nachahmer gefunden, ja, daß es den Grund zu dem in der Folge so weit verbreiteten größern Conversations-Lexikon oder der Allgem. Real-Encyclopädie für gebildete Stände gelegt hat, so darf doch gewiß das Bestreben, auf kürzere, gedrängtere Art die vielfachen Leser über so verschiedenartige Gegenstände, die in der Unterhaltung sowohl, als beim Lesen vorkommen, zu belehren, nicht verkannt werden. Den ersten Versuch hierzu machte der, schon früher bei dem Erscheinen des oben erwähnten frühern Convers. Lexikons sehr mitbetheiligte, Herausgeber des im Jahre 1813 herausgekommenen kleinern Conversations-Lexikons, der eben wegen seiner frühern Theilnahme an jenem, und von der Art, wie ein solches Hülfswörterbuch am zweckmäßigsten einzurichten sey, immer näher überzeugt, gewiß nicht ganz unberufen zu diesem gedrängten Hülfswörterbjiche schritt. Es fand allerdings in dieser Art bei denen, für welche es berechnet war, Beifall und das Werk hat sich allmälig vergriffen.
Unbezweifelt aber hat sich während dieser 15 Jahre, seitdem es erschienen ist, so Vieles geändert, es ist eine weit größere Menge von Gegenständen aus den verschiedensten Wissenschaften in das gesellschaftliche Gespräch eingedrungen, es haben sich diese Gegenstände, so wie die Theilnahme an lehrreicher Unterhaltung so sehr erweitert, daß es wohl keiner langen Entschuldigung bedarf, wenn diesem immer höher steigenden Streben nach Geistesbildung auch wieder aufs Neue erhöhete, verbesserte Hülfsmittel geboten werden, die dieses möglichst erleichtern.
Und so darf denn nun wohl eine neue, ganz umgearbeitete Ausgabe dieses kleinern Conversations-Lexikons, das nunmehr unter dem gegenwärtigen Titel erscheint und für dessen Verbesserung, Vermehrung, Umarbeitung der Verfasser während der 15 Jahre immerfort thätig gewesen ist, sich eine nicht unfreundliche Aufnahme versprechen, das, ohne in Eigenlob auszuarten, ohne die 100 und aber 100 Artikel herzuzählen, um welche es reichhaltiger geworden ist, ohne die damit vorgenommenen Veränderungen und Verbesserungen anzupreisen, doch im eigentlichen Verstände als durchaus vermehrt und verbessert sich ankündigen kann.
Welcher Zweck bereits dem Herausgeber bei der ersten Ausgabe vorschwebte, sei auch hier mit Wenigem angeführt:
Aus den wichtigsten Kenntnissen der Geschichte, Mythologie, Philosophie, Naturlehre, der schönen Künste und Wissenschaften, kurz aus den meisten allgemein interessanten Gegenständen blos diejenigen dem nach Belehrung Strebenden mitzutheilen, welche er als gebildeter Mensch, der an einer guten Unterhaltung Theil nehmen oder ein Buch mit Nutzen lesen, oder auch sich selbst schriftlich darüber mittheilen will, schlechterdings wissen muß, um sich nicht bisweilen Beschämungen oder Spötteleien auszusetzen; hierbei auch ihm nicht blos über die Bedeutung so vieler, in der Conversation und Lectüre vorkommender, zum Theil auch aus fremden in unsere Sprache übergegangener Wörter, sondern auch zugleich über die Rechtschreibung derselben (wo doch mancher Nicht-Gelehrte öfters schwankt und Anstoß nimmt) Andeutung zu geben — das ist der Zweck dieses Hülfswörterbuchs, das wohl so in der That der Aufschrift: Für den Handgebrauch ganz angemessen ist. Daß hier von gelehrten Dissertationen, von tief eingehenden ästhetischen Abhandlungen und Untersuchungen nicht die Rede seyn kann, versteht sich von selbst, und es liegt also der Hauptzweck eines solchen Hülfswörterbuchs hauptsächlich auch in der Kürze, mit welcher Andeutungen über alle die gemeinnützigen Zweige des menschlichen Wissens für diejenigen Statt finden, welche theils in der Geschwindigkeit Belehrung, theils Nachweisungen oder Zurückrufungen ins Gedächtniß über Dinge wünschen, die ihnen wieder entfallen sind, und wo eine leichte Andeutung den entfallenen Faden wieder an die Hand giebt. Daß dessenungeachtet für weit größere Reichhaltigkeit der Artikel gesorgt ist, wird, ohne erst die Versicherung zu wiederholen, daß der Herausgeber seit der ersten Ausgabe unermüdet an Vervollständigung derselben gedacht hat, Jedem ins Auge fallen, der die gegenwärtige Ausgabe mit der vorigen vergleichen will.
Daß übrigens die geographischen Artikel gänzlich weggelassen worden, darüber habe ich bereits bei der ersten Ausgabe meine Rechtfertigung ausgesprochen. Weitumfassende Notizen über ganze Staaten, Reiche, Städte &c., die ohnehin jedes geographische Handbuch darbietet, würden die Dickleibigkeit des gegenwärtigen Hülfswörterbuchs zu sehr befördert haben, was der Absicht des Herrn Verlegers, dem Publikum ein compendiöses Handbuch auf möglichst billige Weise in die Hände zu geben, sehr entgegen gewesen seyn würde, ohne die große Unbestimmtheit, die auch jetzt noch immer auf den geographischen Angaben ruht, mit in Anschlag zu bringen. — Eben so wird die Uebergehung gewisser merkwürdiger noch lebender Personen hoffentlich eine geneigte Billigung in dem Zartgefühle finden, das so manche Rücksichten zu beachten gebietet, die man jenen schuldig ist; obschon Künstler, über welche außerdem Freunde der Kunst ganz im Dunkeln blieben, billig eine Ausnahme verdienen.
Und so möge denn diese neue, durchaus vermehrte und verbesserte Ausgabe eine freundlich, günstige Aufnahme, wie sie schon der erstern zu Theil ward, um so mehr finden, da die Uneigennützigkeit und das Streben des Herrn Verlegers, auch ein so ganz gefälliges Aeußere derselben als Ausstattung mitzugeben, gewiß jedem Billigdenkeden in die Augen springen muß.
Leipziger Jubilate-Messe 1829."
S. I-VI.